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Opern-Feuilleton: Highlights 2025/26, die man nicht verpassen sollte

Neue Namen, weibliche Weisheit

Es tut sich was auf dem Premieren-Karussell der immergleichen Regiegrößen: In der Spielzeit 2025/26 gibt es aufregende künstlerische Konstellationen und Teams zu entdecken.

vonPeter Krause,

„Weißt Du, wie das wird?“ So raunen die weisen Nornen in Wagners „Ring“ und meinen damit durchweg pessimistisch: Es wird düster, der Untergang, die Götterdämmerung wird kommen. Wir wollen hingegen zum Start der Saison 2025/26 Hoffnung wagen und schauen auf jene künstlerischen Konstellationen in der Oper, die Großes und Schönes, Kluges, Bewegendes und Besonderes versprechen. Neue Namen, weibliche Handschriften und solche, die erst jüngst aufhorchen ließen, stehen dabei besonders im Fokus. Beginnen wir – passend zum Eingangszitat – mit jenem Duo, das mit der Premiere der „Götterdämmerung“ am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken (26.4.) einen „Ring“ fertig schmieden wird, der zu den gewagtesten und ungewöhnlichsten der letzten Jahre gehört.

Ihre gemeinsame musikalische Ausbildung in Budapest brachte Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy zusammen, nun verantworten sie als veritable Gesamtkunstwerkerinnen Regie, Bühne und Kostüme. Die beiden Ungarinnen fragen, wo denn die Zukunft liegt, wenn der Mensch sich selbst zum Gott erhebt und andere gnadenlos manipuliert. Unter dem Schlagwort „Wagner meets Cyberpunk“ entwerfen sie dystopische Bühnenwelten, die in den ersten drei Teilen der Tetralogie bereits als „Science-Fiction-Ring“ rezipiert wurden und für Furore und Verstörung zugleich sorgten. Der dargestellte Missbrauch im Humanlabor des Göttervaters Wotan an seinen Kindern führt dabei zu bitteren Erkenntnissen. Wagners Bühnenfestspiel wird zum Menschheitsexperiment, in dem eine wissenschaftliche Elite am Homo sapiens manipuliert und ethische Basiskonflikte ausficht.

Daniel Behle ist bei den Stuttgarter als Walther von Stolzing zu erleben...
Daniel Behle ist in Stuttgart als Walther von Stolzing zu erleben …

Von Weltuntergang und grüner Idylle erzählen

Dass der Bayreuther Meister sehr wohl auch einen positiven Gesellschaftsentwurf wagte, wird zwar besonders in den finalen Takten der „Götterdämmerung“ mit dem hymnisch überhöhenden Erlösungsmotiv deutlich, doch seine C-Dur-hellste und offiziell ja dezidiert komische Oper bleiben „Die Meistersinger von Nürnberg“. Elisabeth Stöppler sieht in ihnen nicht weniger als einen „deutschen Sommernachtstraum“ und will in ihrer Inszenierung das Verhältnis der Generationen in den Mittelpunkt stellen und der Frage nachspüren, warum das, was war, vielleicht auch das ist, was wird. Zwischen Aufbruch und Restauration wird an der Staatsoper Stuttgart ein Stück deutscher Geschichte und Mentalität erzählt (7.2.).

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Und nicht zuletzt die Systemrelevanz von Kunst unter Beweis gestellt. Denn die Meistersingerzunft beweist, dass Kunst mehr ist als wohlklingende Nebenbeschäftigung ambitionierter Handwerker: Sie besitzt eine gemeinschaftsbildende und -verbessernde Kraft. Wir begegnen einer Gruppe von Utopisten, denen es nicht um Herkunft oder Geld geht, sondern um Innovation und Zukunft. Mit Cornelius Meister unterstreicht der musikalische Hausherr Stöpplers positives Wagnerbild, und mit Daniel Behle gibt einer der wichtigsten jugendlichen Heldentenöre sein Rollendebüt als Stolzing.

und GMD Cornelius meister dirigiert
… und GMD Cornelius meister dirigiert.

Drei Meisterwerke in einem

Eine weitere weibliche Sicht auf ein männliches Opus ist an der Staatsoper Hannover zu bestaunen, wenn Regisseurin Ilaria Lanzino „Die tote Stadt“  inszeniert (9.5.). Sie interessiert an Korngolds Oper der Trauerbewältigung, was mit unserer eigenen Privatsphäre nach unserem Tod geschieht: Wem gehören unsere privatesten Gegenstände und wem unsere digitalen Daten im Netz? Das verwirrende Spiel zwischen der toten Marie und der lebenden Marietta wird für den Witwer Paul zur schonungslosen Offenbarung. Denn was passiert, wenn sich Facetten der Verstorbenen enthüllen, von denen wir zu Lebzeiten nichts ahnten?

„Frauenliebe- und sterben“ nennt der frischgebackene Intendant der Hamburgischen Staatsoper sein Triptychon mit Robert Schumanns fast gleichnamigem Liedzyklus, Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ und Zemlinskys „Die florentinische Tragödie“ (12.4.). Tobias Kratzer verbindet die drei Meisterwerke, indem er sie mit einer Erzählung ummantelt, die einem großen Familienepos gleicht. Dabei werden aus den vermeintlichen Einzelschicksalen Panoramen von Sitte und Moral unserer Vergangenheit und Gegenwart.





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