100. Geburtstag von Luigi Nono

Als Musiker und Mensch Zeugnis ablegen

In seinen Werken reflektierte Luigi Nono stets das Geschehen seiner Zeit – heute wäre der Komponist 100 Jahre alt geworden.

© Joost Evers/Anefo/Nationaal Archief

Luigi Nono 1970

Luigi Nono 1970

Mit einer weltweiten Pandemie, einem Krieg in Europa und einem schier unlösbaren Nahostkonflikt, der derzeit eskaliert, hätte Luigi Nono auch heute noch reichlich Stoff für seine Werke gehabt und seinen unermüdlichen Einsatz gegen soziale, politische und gesellschaftliche Ungerechtigkeit musikalisch zum Ausdruck gebracht. „Alle meine Werke gehen immer von einem menschlichen Anreiz aus: Ein Ereignis, ein Erlebnis, ein Text unseres Lebens rührt an meinen Instinkt und an mein Gewissen und will von mir als Musiker wie als Mensch Zeugnis ablegen“, sagte er einmal selbst über seine Arbeit, in der sich das Geschehen seiner Zeit zunächst versteckt, später ganz deutlich widerspiegelt: „Intolleranza“ (1960) beschäftigt sich mit der Gewalt gegenüber Flüchtlingen, „Sul ponte di Hiroshima“ (1962) mit den Folgen des Atomkriegs, „La fabbrica illuminata“ (1964) mit der kapitalistisch-ausbeuterischen Arbeitswelt und „Ricorda cosa ti hanno fatto in Auschwitz“ (1965) mit dem Holocaust.

Radikaler Musikstil

Luigi Nonos starkes politisches Interesse, seine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Italiens sowie der Wunsch, sein Empfinden zum Ausdruck zu bringen, entspringen wohl vor allem der Zeit, in der der Komponist aufgewachsen ist. Am 29. Januar 1924 in Venedig geboren, erlebte Nono in den ersten Jahren seines Lebens den italienischen Faschismus und einen Weltkrieg. Sein Vater, ein Ingenieur aus gutbürgerlichem Haus, wollte zunächst, dass der Junge etwas „Ordentliches“ lernt, und so schloss Nono 1946 sein Jurastudium in Padua ab. Noch im gleichen Jahr lernte er Bruno Madera kennen und nahm bei ihm Kompositionsunterricht. In den 1950er-Jahren erlangte Luigi Nono mit seinen Werken immer mehr Bekanntheit und zeichnete sich vor allem durch einen radikalen Musikstil aus. Der Wunsch, etwas Neues zu schaffen und sich von Altem abzugrenzen, stand im Zentrum seines Wirkens.

© Gemeinfrei

Luigi Nono (l.) und Karlheinz Stockhausen in Darmstadt 1957

Luigi Nono (l.) und Karlheinz Stockhausen in Darmstadt 1957

Luigi Nono (l.) und Karlheinz Stockhausen in Darmstadt 1957

Luigi Nono: Wichtiger Vertreter der Darmstädter Schule

Schnell fand Nono bei den Darmstädter Ferienkursen in Komponisten wie Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen Gleichgesinnte, mit denen zusammen er bald als wichtigster Vertreter der Seriellen Musik und der Darmstädter Schule galt. Bis heute sind Luigi Nonos Werke musikalisch und thematisch brandaktuell und beeinflussen noch immer junge, zeitgenössische Komponistengenerationen, vor allem, wenn elektronische Elemente zum Einsatz kommen.

Am 8. Mai 1990 starb Nono in seiner Heimatstadt Venedig. Seine Frau Nuria, Tochter des Komponisten Arnold Schönberg, richtete nach seinem Tod das Archivio Luigi Nono auf der Giudecca in Venedig ein, das seinen ganzen Nachlass beheimatet. Heute wäre Luigi Nono 100 Jahre alt geworden.

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