Bei Les Arts Florissants scheinen die Kategorien des Sakralen, des Dramatischen und des Konzertanten aufgehoben. Nach der genialen Einspielung von Glucks „Orphée et Euridice“ kommt diese vorbehaltlose Einstellung den hier ausgewählten B-Dur-Messen von Joseph Haydn zugute. Diese entstanden in einem Abstand von über zwanzig Jahren. Keine extrovertierte Pracht, sondern innerer Reichtum wird zu Klang, und die Stimmvielfalt bleibt dabei immer durchhörbar. Beglückend flüchtige Details kontrastieren zu schlank gesetzten, gerade deshalb besonders scharfen Bläserattacken. Die von diesem Ensemble erwartbare, aber hier trotzdem verblüffende Schmiegsamkeit veredelt Haydns Satzstrukturen. Soli, Chorensemble und Instrumente wirken unter William Christies Leitung schwerelos und getragen von einem starken inneren Zusammenhalt. Les Arts Florissants macht vergessen, mit welcher Disziplin die Expertisen zu dieser Meisterschaft angeeignet werden müssen. Hier hört man kein Dogma, sondern die Gewissheit einer unbelasteten Verhaftung, Teilnahme und Zugehörigkeit im Weltgefüge: Diese Beruhigungs-, Trost- und Sicherheitsmusik ist auch für Nicht-Christen von glaubwürdiger, überzeugender Gültigkeit.
Haydn: Harmoniemesse B-Dur Hob. XXII:14 & Missa brevis Sancti Joannis de Deo Hob. XXII:7
Mélissa Petit (Sopran), Beth Taylor (Mezzosopran), Bastien Rimondi (Tenor), Andreas Wolf (Bass-Bariton), Les Arts Florissants, William Christie (Leitung)
harmonia mundi






