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Rezension Dennis Russell Davies – Weill: Propheten

Ein Stück Musikgeschichte

Die posthume Uraufführung von Kurt Weills „Propheten“ unter der Leitung von Dennis Russell Davies ist nach 25 Jahren endlich nachzuhören.

vonRoland H. Dippel,

Immer wieder kommt es vor, dass das Label Capriccio wie aus dem Nichts musikgeschichtlich bedeutsame ältere Aufnahmen veröffentlicht – vor allem aus Österreich. Der Mitschnitt der posthumen Uraufführung von „Propheten“ ist 25 Jahre alt. In der Besetzung erscheinen maßgebliche Sänger dieser Jahre, Dennis Russell Davies galt schon damals als Dirigent mit stetigen Programm-Überraschungen. Hier gewann er Weills Stil-Fluidum aus Bibeloratorium-Dramaturgie, Mahler und einem „Moldau“-Zitat im Kontext jüdischen Melodiematerials Oberflächenreize und emotionale Tiefenwirkung ab. Überraschend auch, wie Thomas Hampson seine romantischen Lied-Kompetenzen seit Jahrzehnten in Nischen wie Weills Whitman-Lieder ausdehnt. Diese wichtige Einspielung passt in alle Genre-Fächer von Sakralmusik über Musical bis Crossover. Mit ernstem Hintergrund, denn „Propheten“ entstand im Schatten des nationalsozialistischen Antisemitismus.

Dennis Russell Davies
Dennis Russell Davies

Weill: Propheten & Whitman Songs

Albert Dohmen (Jeremia), Michael Papst (Jesajah), Gottfried Hornik (Widersprecher), Bernd Fröhlich (Chananjah), Georg Tsulufis (Der Dreizehnjährige), Anselm Lipgens (Erzähler), Thomas Hampson (Tenor), Wiener Jeunesse-chor, Wiener Motettenchor, Gumpoldskirchner Spatzen, ORF Radio-Symphonieorchester Wiener, Dennis Russell Davies (Leitung)
Capriccio

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