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Interview: Sarah Willis im #InstaView

„Kuba ist für mich inzwischen wie Familie“

Hornistin Sarah Willis spricht über ihre Liebe zu Kuba, magische Momente, John Williams und eine Auswahl ihrer Instagram-Postings.

vonJan-Hendrik Maier,

Das in die Luft gestreckte Horn zählt in den sozialen Medien zu ihren Markenzeichen ebenso wie ihre künstlerische Brillanz auf der Bühne: Sarah Willis, seit 25 Jahren Mitglied der Berliner Philharmoniker und eine vor Energie gerade so sprudelnde Kammermusikerin, ist eine der weltweit führenden Hornistinnen. Im Interview spricht sie über …

… Tanzen

Sarah Willis: Dieser Post zeigt vieles von dem, was ich liebe: Tanzen, Sonne, Kuba, Musik und Freude. Das ist in Luzern auf der Inseli gegenüber vom KKL, und ich tanze mit Michael Haefliger, der lange Jahre Intendant des Lucerne Festival war. Ich habe zu ihm gesagt: „Michael, du kommst nicht drum herum. Du musst jetzt mit mir tanzen.“ Aber fragen Sie lieber nicht, wer hier wen führt. Es war ein kubanischer Tanz, da bin ich ein bisschen perfektionistisch, also habe ich ihn durch die Gegend geschoben. (lacht) Nein, Michael hat das großartig gemacht.

… Kuba

Willis: Kuba ist für mich inzwischen wie Familie: Ich liebe meine Musiker und unser Projekt, die Havana Orchestra Academy. Umso mehr tut es weh zu sehen, wie schlecht es den Menschen dort gerade geht. Dieses Foto entstand beim Shooting für das erste „Mozart y Mambo“-Album. Ich wollte unbedingt in einem „Almendron“ fotografiert werden. Genau an der Stelle, die man hier sieht, ist dieser wunderschöne kubanische Oldtimer liegen geblieben: Reifenplatzer! Ich habe zu Monika Rittershaus, einer der besten Theaterfotografinnen überhaupt, die für unser Projekt in Kuba dabei war, sofort gesagt: „Das ist unser Shot.“ Ich liege also bei 35 Grad auf der Vorderbank und halte den Schallbecher meines Horns hoch. Diese „Bells up“-Geste mache ich übrigens seit meinen Anfängen auf Instagram, denn eigentlich wollte ich nicht mich selbst posten. Irgendwie wurde das zu einem Erkennungszeichen innerhalb der Horn-Community.

… Japan und Kimonos

Willis: Das ist beim Pacific Music Festival in Sapporo, meinem Lieblingsfestival auf der ganzen Welt. Jedes Jahr darf ich die Horngruppe selbst auswählen, damals waren Musiker aus Venezuela, Frankreich, Deutschland, Österreich und Südkorea vertreten. Für einen Monat leben und musizieren wir gemeinsam in Japan. Das Foto entstand am „Kimono Day“. Die sehen wunderschön aus, aber sind unfassbar unbequem zum Hornspielen! Gerade für Frauen sind sie sehr eng geschnürt, und man darf die Füße kaum auseinanderstellen. Wer das macht, outet sich sofort. Man sieht sofort, wer keine Japanerin ist. Wir haben auch mehrmals versucht, in Kimonos Horn zu spielen, aber das funktioniert nicht besonders gut, weil man kaum richtig atmen kann.

… England und die Monarchie

Willis: Oh, His Royal Highness! Ich liebe die Royal Family. Dieser ganze Pomp and Circumstance, das ist einfach sehr britisch. Dafür schlägt auch mein Herz. Das ist in Windsor Castle, als ich meinen MBE bekommen habe. Wegen Covid durfte man nur eine Person mitbringen, rechts steht also meine Mum in einem Christian-Dior-Kleid, das schon ihre Mutter bei ihrer Hochzeit getragen hat. Das hat mir viel bedeutet. Dazu die ganze Atmosphäre, die Treppen, die Bilder, all die Menschen, die an diesem Tag geehrt wurden … das war magisch. Als meine Mutter David Attenborough gesehen hat, wäre sie fast in Ohnmacht gefallen. – Der Mann hinter Charles, damals noch Prinz, sagt normalerweise ein paar Infos über die zu ehrende Person ein. Aber bei mir sagte His Highness sofort: „Berlin Philharmonic, jolly good orchestra!“ Das hat mich riesig gefreut. Am meisten bedeutet mir aber, dass mir die Ehrung für „Verdienste um klassische Musik“ verliehen wurde. Das ist eine Auszeichnung für unsere ganze große Musikwelt, nicht nur für mich persönlich.

… die Beatles

Willis: John Lennon auf einer Bank in Havanna, man kann sich einfach dazusetzen. Natürlich musste ich mein Horn mit aufs Foto nehmen. Nicht alle Kubaner wissen übrigens, wer das überhaupt ist. – Mein Lieblingssong? Das kann ich nicht sagen. „All You Need Is Love“, „Penny Lane“ mit diesem fantastischen Trompetensolo oder doch lieber „When I’m 64“? Die Beatles waren einfach Genies. Ich würde sehr gerne einmal Paul McCartney kennenlernen.

… John Williams

Willis: Ich bin so glücklich, dass ich all diese wunderbaren Momente mit John Williams erleben darf. Ihn kennenzulernen, war ein absolutes Highlight. Ich habe ihn in Tanglewood interviewt, damals arbeitete er gerade am Score für den letzten „Star Wars“-Film. Am selben Abend rief mich ein Hornist des Boston Symphony Orchestra an: „Sarah, jemand ist krank. Kannst du morgen bei der John Williams Movie Night einspringen?“ Ich kannte die Hälfte der Stücke nicht, habe aber natürlich sofort zugesagt und die ganze Nacht geübt. Als John Williams ans Pult trat, blieb mir fast das Herz stehen. Es fühlte sich an, als würde Mozart persönlich eine Mozart-Sinfonie dirigieren. Der dritte Hornist schaute mich nur an und sagte: „Yep, it gets you every time, doesn’t it?“ John Williams ist ein sehr feiner Mensch. Er vergisst dich nicht. Dieses „Oh, Sarah Willis, how are you?“ reicht schon aus, dass mein Herz schmilzt.

… El Sistema

Willis: Das ist in der Nähe der Canaima-Wasserfälle in Venezuela. Wir sind nur für einen Tag dort hingeflogen, durch den Dschungel gelaufen und haben die Kinder einer indigenen Gemeinschaft getroffen. Die Ketten, die sie tragen, sind alle selbst gemacht. El Sistema unterhält dort eine Zweigstelle, einen Núcleo. Für uns haben sie ein Sonderarrangement von „Aus der Neuen Welt“ gespielt. So bewegend! Ich unterrichte sehr gerne für El Sistema. Politisch wird das oft kontrovers diskutiert, aber für mich geht es um die Musik und darum, was sie für Kinder bewirken kann. Und wenn sich eine Organisation für die musikalische Förderung von einer Million Kinder einsetzt, bin ich dabei! In diesen Núcleos ist Platz für alle: für Kinder aus armen Vierteln, für behinderte Kinder, für Erwachsene. Alles ist kostenlos. Manche gehen direkt nach der Schule dorthin, bekommen etwas Warmes zu essen und erleben Gemeinschaft, die sie sonst nirgendwo erfahren können. Ob später alle Musiker werden, ist gar nicht der Punkt. Sie lernen Disziplin, Teamgeist und die Freude daran, gemeinsam etwas zu schaffen. Deswegen bin ich so gerne dort.

… ihre Familie und Nachwuchsförderung

Willis: Das ist mein Neffe Angus, zuhause bei meiner Mutter, wie man am Muster des Sessels erkennen kann. Mit drei wollte er schon das erste Mal in mein Horn blasen. Inzwischen ist er zehn, kennt sich bestens mit „Star Wars“ aus und spielt selbst Horn. Nachwuchsförderung ist für mich wahnsinnig wichtig. Viele sagen immer: „Mit Horn sollte man erst später anfangen, wenn die Zähne fest sind.“ Aber ich denke, wenn einKind Interesse an einem Instrument zeigt, sollte es sofort loslegen dürfen. Die Kleinen lassen sich unglaublich leicht für Musik begeistern. Schwieriger wird es erst bei den Teenagern, wenn plötzlich alles uncool ist …

… Tiere

Willis: Das ist ein Babynashorn im Berliner Zoo. Dr. Andreas Ochs, der Zoo-Tierarzt, ist ein guter Freund und Hobbyhornist. Dank ihm durfte ich immer wieder solche besonderen Tiere besuchen. Kennengelernt haben wir uns übrigens, als ich meinen Einstand bei den Berliner Philharmonikern im Nilpferdhaus des Zoos gefeiert habe. Ich liebe Tiere sowieso. Ich habe zwei Kakadus, die aber leider inzwischen wegen der Reiserei nicht mehr bei mir zu Hause leben können, aber ich besuche sie noch. Auf meiner Terrasse wohnt ein kleines Eichhörnchen. Wenn ich irgendwann in Rente gehe und nicht mehr auf Tournee bin, möchte ich unbedingt ganz viele Tiere haben. Aber das dauert ja noch lange…!

… Fußball

Willis: Go England! Ich war stolz, Engländerin zu sein, habe Fußball geschaut und nebenbei geübt. Das muss aber ein altes Bild sein, denn inzwischen habe ich nicht mal mehr einen Fernseher. – 2014? Ah, okay. Wer gewonnen hat, weiß ich aber nicht mehr. Mein Tipp für die WM dieses Jahr? „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Das hat Gary Lineker vor vielen Jahren gesagt. Also, die Deutschen haben immer eine Chance, und Italien ist ja nicht dabei. Als lange Zeit einzige Frau in der Horngruppe des Orchesters muss ich mich ein wenig mit Fußball auskennen!

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