Bücherherbst – Alessandra Barabaschi: Stradivari

Selbstaufopferung für ein Wunderwerk

Alessandra Barabaschi spürt dem Mythos Stradivaris nach ohne ihn zu entzaubern.

© Axel Schwalm, Bonn

Alessandra

Alessandra Barabaschi

Eine lückenhafte Quellenlage ist ein idealer Ausgangspunkt für einen Mythos, das zeigt auch die Geschichte von Antonio Stradivari und seinen Instrumenten. Wenn die Journalistin Alessandra Barabaschi für ihr Buch „Stradivari“ genaueste Recherche betrieben hat und gar verstaubte und verschimmelte Taufregister durchforscht hat, dann hat sie das zum Glück nicht getan, um einen Mythos zu entzaubern (auch wenn dies eine hehre journalistische Disziplin ist). Auch nach der Lektüre dieser faktenschweren und zugleich unterhaltsamen 300 Seiten behält der Untertitel des Buches seine Gültigkeit: „Die Geschichte einer Legende“.

Mensch und Genius

Neues fördert Barabaschi in ihrem Buch nicht zutage, doch dürfte dies die erste deutschsprachige Publikation sein, in der das gesamte bestehende (und eben äußerst lückenhafte) Wissen über Leben und Werk von Antonio Stradivari versammelt ist. Besonders reizvoll wird die Geschichte aber vor allem dadurch, dass die Autorin die Umwelt und die Zeit Stradivaris so lebendig nacherzählt. So lernt man einen Menschen und Genius kennen, der nicht gerade auf direktem Wege in das Zunftwesen des Geigenbaus fand, der dann aber nicht mehr nur mit Hingabe, sondern mit regelrechter Besessenheit und bis hin zur Selbstaufopferung an der perfekten Violine arbeitete. Knapp 400 Gramm wiegt so ein Instrument, erklärt Barabaschi. Es besteht aus rund hundert Teilen und kann „einen Druck von ca. 30-40 Kilogramm auf den Zug der vier Saiten aushalten“. Eine recht prosaische Beschreibung. Doch der entscheidende Satz steht direkt davor: „Die Geige ist ein Wunderwerk.“

Buch-Tipp

Stradivari – Die Geschichte einer Legende

Alessandra Barabaschi
Böhlau, 305 Seiten
32 Euro

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