Ein Bratschenkonzert als Schweizer Erstaufführung und Wagners „Ring“ ohne Sänger? Daniel Harding und das Orchestre de la Suisse Romande machen es möglich. Schon bei Jörg Widmanns Solokonzert wird klar, dass die Bratsche längst kein Instrument mehr für den Hintergrund ist. Die Bratsche spricht, widerspricht, singt, kratzt, explodiert beinahe und scheint sich immer wieder neu zu erfinden. Widmann schreibt keine glatte Virtuosenmusik, sondern ein Werk voller Richtungswechsel und überraschender Perspektiven. Plötzlich öffnet sich ein fast romantischer Klangraum, nur um im nächsten Moment von schroffen Rhythmen oder flirrenden Geräuschen aufgebrochen zu werden.
Dass das Konzert für Antoine Tamestit entstanden ist, hört man sofort: Der Solopart wirkt wie auf dessen musikalisches Gespür zugeschnitten. Tamestit gehört zu den Musikern, die der Bratsche in den vergangenen Jahren ein neues Selbstverständnis gegeben haben. Wo früher gern vom „unterschätzten Mittelstimmeninstrument“ die Rede war, erlebt man bei ihm ein Instrument mit enormer Farbpalette und erstaunlicher Präsenz.
Darauf folgt ein Perspektivwechsel im XXL-Format. Lorin Maazels Bearbeitung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist weit mehr als eine Opern-Gala ohne Sänger. Wer den „Ring“ kennt, hört den schimmernden Beginn des „Rheingolds“, die Wucht der Walküren, Siegfrieds Aufbruchsstimmung oder die dunklen Vorahnungen der „Götterdämmerung“. Und wer ihn noch nicht kennt, bekommt einen ebenso packenden wie zugänglichen Einstieg.




