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Rezension Ian Bostridge & Lars Vogt – Schubert: Schwanengesang

Kostbares Vermächtnis

Tenor Ian Bostridge und Pianist Lars Vogt gelingt ein Schubert-Album, auf dem jeder Akkord ein kleines Drama beinhaltet.

vonRoland H. Dippel,

Adlerscharfe Blicke werfen die beiden Künstler auf den sie gealtert zeigenden Karikaturen des Covers zu ihren Betrachtern. Das führt in die Irre, denn sie musizieren mit empathischer und ehrlicher Natürlichkeit. Beide sind lebenserfahren, aber noch lange nicht altersweise. Die im November 2021 in der Wigmore Hall entstandenen Aufnahmen wurden zu einem kostbaren Vermächtnis des am 5. September seinem Krebsleiden erlegenen Lars Vogt. Er forderte Bostridge heraus, sein überragendes Kenntnisspektrum über Schubert zu offenbaren. Einprägsam geraten die trotz Fülle fahlen Töne, die ungläubige Melancholie im Wort „Seligkeit“, die aus Seelentiefen drängenden Zweifel und Sehnsucht nach Harmonie. Vogt und Bostridge sind Menschenkenner im Schubert-Kosmos. Deshalb singt Bostridge, der sich mit den Liedern so gut auskennt wie vor ihm nur noch Dietrich Fischer-Dieskau, nie im satten Ton von Gewissheit und bestätigendem Wissen. Abgründe müssen Vogt und Bostridge nicht suchen, denn diese sind einfach da. Auch Vogt nahm die Widersprüche mit einem weichen und dabei lapidaren Gestus, der klüger und gründlicher ist als raumgreifende melodramatische Düsternis. In Glücksmomenten schwingt Angst vor Verlust und Vergänglichkeit. Jeder Ton und jeder Akkord beinhalten ein kleines Drama, das durch Beiläufigkeit an Tiefe gewinnt. Damit erhält „Schwanengesang“, eigentlich eine Bündelung von Schuberts letzten Liedkompositionen durch seinen Verleger, bedeutend an Gewicht neben „Winterreise“ und „Die schöne Müllerin“.

Ian Bostridge & Lars Vogt
Ian Bostridge & Lars Vogt

Schubert: Schwanengesang

Ian Bostridge (Tenor), Lars Vogt (Klavier)
Pentatone

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