Die Wiener Symphoniker feierten 2025 ihr 125-jähriges Bestehen und das nicht nur mit einer Jubiläumssaison, sondern auch mit einem Buch, dass sich erfrischend von sonst üblichen Festschriften abhebt. Wenn Otto Biba als Herausgeber des Sammelbands 15 Autorinnen und Autoren (einschließlich seiner eigenen Person) danach fragt „Wie funktioniert ein klassisches Orchester?“, stehen die Erfahrungen in Wien gleichsam exemplarisch für jeden sinfonischen Klangkörper, der einerseits gesamtgesellschaftliche Strukturen widerspiegelt, andererseits aber ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Neben der Entstehungsgeschichte der Symphoniker, ihren Chefdirigenten (von Wilhelm Furtwängler über Herbert von Karajan bis zu Petr Popelka) und der Entwicklung des Wiener Konzertlebens können Lesende auch den langen Weg nachverfolgen, den Frauen zurücklegen mussten, um im aktiven Orchesterleben akzeptiert zu werden.

Welche Wechselbeziehungen es zwischen Konzerten und Musiktheater gibt, wird ebenso erörtert wie die Möglichkeiten, neue Publikumsschichten zu erließen. Der ambivalente Begriff des „Spiels“, der für die Tätigkeit des Musizierens Verwendung findet, wird von Joachim Reiber essayistisch beleuchtet. Den lebendigsten Blick hinter die Kulissen des klassischen Musikbetriebs liefert dabei Ernst Kobau, der basierend auf seiner 37-jährigen Erfahrung als Oboist bei den Wiener Symphonikern das Verhältnis von Dirigent und Orchester beschreibt und das Bild des hehren Maestros gewitzt entzaubert. Und falls Sie noch nicht wussten, was eine Beuschelpartie ist – das anhängende Orchester-Glossar verrät es Ihnen. Mit der Wiener Delikatesse Beuschel aus tierischen Innereien hat sie jedenfalls nur sehr am Rande zu tun.
Wie funktioniert ein klassisches Orchester?
Otto Biba (Hg.)
Bärenreiter/Metzler, 256 Seiten
49,99 Euro







