Porträt über den Münchner Knabenchor

Den schönen Tönen ging ein Krach voraus

Der Münchner Knabenchor strahlt weit über die bayerische Hauptstadt hinaus

© Andreas Selter

Münchner Knabenchor

Das beste Image haben Knabenchöre nicht – trotz einer langen Tradition, die bis ins Mittelalter reicht. Auf viele wirken sie heute wie ein spießiges Hobby für Muttersöhnchen und Streber. Noch schwerer wiegen die Verbrechen, die erst jetzt ein Untersuchungsausschuss bei den Regensburger Domspatzen ans Licht brachte, in die auch der Bruder des einstigen Papstes, Georg Ratzinger, involviert war.

Ralf Ludewig gründete 2014 den Münchner Knabenchor

Auch beim Tölzer Knabenchor ging es selten fürsorglich zu, glaubt man Christopher Kloeble, der 1988 als Sechsjähriger zu dem Ensemble kam und in einem Roman seine Zeit dort, die von Angst, Drill und emotionaler Gewalt geprägt war, verarbeitet hat. Chorgemeinschaften haben oft etwas Sektiererisches und ihre Leiter nicht selten die Position eines unantastbaren Gurus. „Silentium“ heißt nicht selten das oberste Gebot.

So konnte der Gründer und Leiter der Tölzer Knaben, Gerhard Schmidt-Gaden, in Ehren in den Ruhestand gehen. Fast. Denn ein Krach mit seinem designierten Nachfolger Ralf Ludewig überschattete seinen Abschied. „Soll er doch seinen eigenen Chor gründen“, wütete der selbstgefällige Patriarch. Genau das geschah. 2014 gründete Ludewig den Münchner Knabenchor.

„Wenn man gut ist, hat man auch zu tun“

© Andreas Selter

Münchner Knabenchor

Münchner Knabenchor

Da etliche Tölzer auf seine Seite wechselten, standen Ludewig gleich exzellente Sänger zur Verfügung, denn ein schlechter Stimmbildner war Schmidt-Gaden nicht. Musikalisch, so versichert Ludewig, werde man sich nicht von den Tölzern unterscheiden. „Es muss schon strahlen im Raum“.

Die mittlerweile 80 Mitglieder des Chores proben zweimal pro Woche. Gleichzeitig bekommt jeder Einzelunterricht, um auch das solistische Singen zu perfektionieren – das bisherige Alleinstellungsmerkmal der Tölzer. Anders als in Windsbach oder Regensburg ist der Münchner Knabenchor nicht an ein Internat gebunden. Buben ab sechs Jahren nimmt Ludewig auf, auch „fortgeschrittene Quereinsteiger“, also Neun- bis Zehnjährige können sich bewerben.

„München hat großes Potential. Wenn man die Knaben früh an ein Ensemble heranführt, dann sind sie auch begeistert. Und wenn man gut ist, hat man auch zu tun.“ Etwa Konzertreisen nach Schanghai, Nanjing oder Guangzhou anzutreten – und dort vor tausenden von Menschen zu singen.

Der Münchner Knabenchor zu Gast im chinesischen Fernsehen:

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concerti-Tipps:

Sommerkonzert
Gauting, Sa. 21.7., 16:00 Uhr Kulturzentrum Bosco
Münchner Knabenchor, Ralf Ludewig (Leitung)

Faust-Festival
München, So. 26.8., 19:00 Uhr Gasteig (Philharmonie)
Musikakademie der Studienstiftung, Maria-Ward Chor, Münchner Konzertchor, Münchner Motettenchor, Münchner Knabenchor, Martin Wettges (Leitung)
Mahler: Sinfonie Nr. 8 „Sinfonie der Tausend“

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