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ECHO Klassik 2017: Joyce DiDonato

Mit dem Furor der Unbedingtheit

Mezzosopranistin Joyce DiDonato bekehrt selbst hartgesottene Verächter virtuoser Vokalgirlanden des Belcanto

vonPeter Krause,

Sollte es unter Opernfreunden immer noch heimliche Verächter des Belcanto eines Bellini oder Donizetti geben, dann weiß Joyce DiDonato sie zu bekehren: Die jedem Star- und Divenkult vollends abgeneigte Amerikanerin, die sich mit Kickboxen fit hält, mutiert in solchen Fällen zu einer Priesterin des Schöngesangs. DiDonato steht für einen Wahrheits-Belcanto, in dem keine Koloratur mehr bloßes Schmuckwerk, reine Girlande des Ziergesangs oder virtuoser Selbstzweck bleibt, sondern zum Mittel des maximal gesteigerten Ausdrucks wird, der einfach jeden seelentief berührt. Was kann Oper mehr wollen, mehr leisten?

„Der Belcanto ist für mich eine der sublimsten Landschaften der Expression und des Gefühls. Da durchschreiten wir einen so puren, konzentrierten, ungefilterten Weg der Kunst, machen ein nicht-intellektuelles Abenteuer.“ Joyce DiDonato kann die Kritik am Belcanto sehr wohl verstehen, zumal dann, wenn Sänger nur den hübschen Klang in den Mittelpunkt stellten. „Hingegen bewundere ich eine Maria Callas als das beste Beispiel dafür, was Belcanto sein kann. Es muss hier die Aufgabe von uns Sängern sein, dass die Stimme den Emotionen dient. Diese Dramen bieten wunderbare Anlässe, mit wirklich allen Mitteln des Vokalen Gefühls-Landschaften zu erkunden, die unser Alltag kaum kennt. Wahre – und nicht nur reine – Schönheit entsteht eben dann, wenn der Charakter einer Figur durch den Gesang offenbar wird.“

Joyce DiDdonato
Joyce DiDdonato © Brooke Shaden

Bei Joyce DiDonato geht’s immer ums Ganze

Als eine der größten Sängerdarstellerinnen der Gegenwart erobert sich die Mezzosopranistin in ihrer unbändigen künstlerischen Neugierde wie selbstverständlich auch Sopranpartien. Zuletzt war dies Rossinis „Semiramide» in München: Die hoch komplexe Frauengestalt zwischen Liebender und Mörderin verwandelt Joyce DiDonato sich in all ihren Extremen an, erzählt uns von der Königin von Babylon in ihrer raumgreifend packenden Präsenz. Dazu entzündet die 48-Jährige ein aufregend dunkel loderndes Koloraturenfeuer, durchpulst jede Phrase dramatisch, geht mit einem Furor der Unbedingtheit an Grenzen. Präzise in der perfekten Vorbereitung auf eine Rolle, gibt sie sich in der Vorstellung dann gern hin, möchte so frei wie möglich sein, um ihrer Rolle in all ihren Facetten gerecht zu werden.

Die ECHO-Preisträgerin offenbart: „Ich springe also auf die Bühne und hoffe, dass mein Fallschirm sich dabei öffnet.“ Nicht zuletzt in ihrem passionsprall stürmischen Barockalbum „In War and Peace“ zeigt Jocye DiDonato nun auch im Ur-Belcanto der Alten Musik, mithin bei Händel und Purcell, wie sehr es bei ihr immer ums Ganze geht.

Joyce DiDonato singt Händel:

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Preisträger-Album

Album Cover für
In War & Peace Joyce diDonato (Mezzosopran) Il Pomo d’Oro Maxim Emelyanychev (Leitung) Erato

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