Hans Werner Henze zählt zu den bedeutendsten Komponisten der europäischen Nachkriegsmoderne. Der 1926 in Gütersloh geborene Tonkünstler geriet früh in Konflikt mit seinem Vater, einem überzeugten Nationalsozialisten. 1943 nahm Henze ein Studium der Fächer Klavier und Schlagzeug an der Staatsmusikschule Braunschweig auf, das jedoch bereits ein Jahr später durch seine Einberufung zur Wehrmacht unterbrochen wurde. Nach Kriegsende studierte Henze bei Wolfgang Fortner in Heidelberg und gehörte früh zum Umfeld der Darmstädter Ferienkurse, wo sich die musikalische Avantgarde der Nachkriegszeit formierte.
Bereits in den späten 1940er- und 1950er-Jahren machte er mit Opern, Balletten und Orchesterwerken auf sich aufmerksam und entwickelte dabei eine eigenständige, teils neoklassizistische Tonsprache, die sich bewusst nicht den strengen Dogmen des Serialismus unterordnete. 1953 übersiedelte Henze nach Italien, das für Jahrzehnte zu seinem Lebensmittelpunkt wurde. Die Begegnung mit italienischer Kultur, Literatur und Oper prägte sein Schaffen nachhaltig. In Werken wie „König Hirsch“, „Der Prinz von Homburg“, „Elegie für junge Liebende“ oder „Die Bassariden“ verband er musikalische Moderne mit theatralischer Ausdruckskraft und etablierte sich als einer der bedeutendsten Opernkomponisten seiner Zeit. Seit den 1960er-Jahren trat Henze zunehmend auch politisch hervor.
Sein Engagement für linke Bewegungen führte ihn zeitweise nach Kuba und schlug sich in Werken wie „Das Floß der Medusa“ oder „El Cimarrón“ nieder. Zugleich blieb die Oper ein Zentrum seines Schaffens. Neben seiner Tätigkeit als Komponist wirkte Henze als Kulturorganisator und Förderer junger Künstler. 1976 gründete er in Montepulciano den Cantiere Internazionale d’Arte, 1988 zudem die Münchener Biennale für neues Musiktheater. Bis zu seinem Tod 2012 entstand ein umfangreiches Œuvre aus Opern, zehn Sinfonien, Konzerten, Kammer- und Vokalmusik, das die Musik des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat.





