Kurz gefragt Rolando Villazón

„Nur Krit­ze­lei­en“

Rolando Villazón singt nicht nur, er zeichnet auch Karikaturen und hat gerade ein Buch geschrieben.
Hier spricht er über …

© Harald Hoffmann/DG

Rolando Villazón

… Unter­schie­de zwi­schen Opern­auf­tritt und Kon­zert

In einer Oper singt man nor­ma­ler­wei­se ein, zwei gro­ße Ari­en, ein bis zwei Duet­te – man teilt die Ener­gie und die Ver­ant­wor­tung mit den Kol­le­gen, die Geschich­te wird von vie­len Leu­ten gemein­sam erzählt. Dage­gen liegt im Kon­zert die Ver­ant­wor­tung allein bei dir. Hin­zu kommt, dass du dann nur die Höhe­punk­te singst, wäh­rend du in der Oper auch viel Musik hast, die auf den Höhe­punkt hin­führt. Du brauchst mehr Ener­gie in einem Kon­zert und es ist auch ein ande­rer Druck: Die Leu­te kom­men ja nur wegen mir und nicht, weil sie La Tra­via­ta oder La Bohè­me hören wol­len. Aber mir macht bei­des Spaß, das ist die Haupt­sa­che.

… sei­ne Bal­lett­aus­bil­dung

Ich den­ke, man kann erken­nen, ob ein Opern­sän­ger etwas für sei­nen Kör­per tut, Sport oder Fit­ness­übun­gen macht. Eini­ge kön­nen mit ihrem Kör­per auf der Büh­ne gut umge­hen, wäh­rend ande­re damit Schwie­rig­kei­ten haben. Wobei es auch Kol­le­gen gibt, die kör­per­lich ein­fach ent­spannt sein wol­len, weil sie sich vor allem auf die Pro­duk­ti­on des Klangs kon­zen­trie­ren. Sicher ist Kör­per­trai­ning gut für einen Opern­sän­ger. Doch mei­ne Bal­lett­aus­bil­dung – die etwas mehr als ein Jahr dau­er­te – hat für mei­ne Kar­rie­re jetzt auch nicht den ent­schei­den­den Unter­schied gebracht.

... das kom­pli­zier­tes­te Opern­kos­tüm

Das war bei mei­ner ers­ten Pro­duk­ti­on in Ber­lin, Mac­beth. Für die Par­tie des Macduff muss­te ich so eine Glat­zen­pe­rü­cke tra­gen, dazu sehr viel Make-up und ein schwe­res Kos­tüm, wie eine gro­ße, lan­ge Toga. Ich glau­be, ich brauch­te damals andert­halb Stun­den für Kos­tüm und Mas­ke – bei ande­ren Pro­duk­tio­nen dau­ert es nor­ma­ler­wei­se nur 20 Minu­ten. Aber der Auf­wand hat sich gelohnt, das Kos­tüm war fan­tas­tisch!

… Genies der Gegen­wart

Da wür­de ich jeman­den nen­nen wie den Phi­lo­so­phen Tho­mas Nagel oder Jür­gen Haber­mas. Sie sind kei­ne Genies, aber außer­ge­wöhn­li­che Men­schen. Genies wie Mozart gab es in der Mensch­heits­ge­schich­te nur weni­ge. Aber viel­leicht braucht man auch einen gewis­sen zeit­li­chen Abstand, um so ein Genie zu erken­nen. Dass über Mozart eines Tages so viel geschrie­ben und gespro­chen wird, das haben sei­ne Zeit­ge­nos­sen damals auch nicht erkannt.

... Mozart­ku­geln

Um ehr­lich zu sein: Die habe ich noch nie pro­biert. Ich habe sie aber schon des Öfte­ren ver­schenkt. Ich esse sel­ten Scho­ko­la­de, wobei es eine sehr ein­fa­che Scho­ko­la­de aus mei­ner Hei­mat­stadt gibt, die ich ab und zu esse. Der Geschmack erin­nert mich an mei­ne Kind­heit.

… Inspi­ra­ti­on für sei­ne Kari­ka­tu­ren

Es begann damit, dass ich frü­her Car­toons ange­schaut habe, von War­ner Brot­hers und Han­na-Bar­be­ra. Comics habe ich wenig gele­sen, ich bin aber ein gro­ßer Fan von Cal­vin & Hob­bes. Ich mag auch poli­ti­sche Kari­ka­tu­ren, sie sind oft sehr geist­reich und ein direk­ter Weg, eine Mei­nung aus­zu­drü­cken. Mei­ne Zeich­nun­gen sind eigent­lich nur Krit­ze­lei­en – wenn ich zum Bei­spiel einen gan­zen Kör­per zeich­nen soll, dann hat der noch vie­le Feh­ler. Natür­lich ver­su­che ich bes­ser zu wer­den, gucke mir bestimm­te Din­ge ab, doch es bleibt für mich ein Hob­by. Vor kur­zem habe ich für die Ber­li­ner Obdach­lo­sen­zei­tung „Stra­ßen­fe­ger“ eine Zeich­nung gemacht.

... sei­nen Roman „Kunst­stü­cke“, der 2014 erscheint

Die deut­sche Fas­sung ist bereits fer­tig, ich habe eng mit dem Über­set­zer gear­bei­tet, was ein fas­zi­nie­ren­der Pro­zess war. In dem Roman geht es um Men­schen, die sich exis­ten­zi­el­le Fra­gen stel­len: Wer bin ich? War­um bin ich hier? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn des Lebens? Wie wich­tig sind Zie­le im Leben? Sie alle arbei­ten als Clowns, wes­halb ihre Ant­wor­ten auch einer Clown-Logik fol­gen. Es ist ein Spiel mit den Figu­ren und mit dem Leser. Es geht auch um Büh­nen­dar­stel­ler – doch das Buch ist nicht auto­bio­gra­fisch.

Wenn er kom­po­nie­ren könn­te ...

Dann wür­de ich eine Oper kom­po­nie­ren, die nur eine Stun­de dau­ert, die zeit­ge­nös­sisch ist, in heu­ti­ger Spra­che, die es schafft, eine Ver­bin­dung zum Publi­kum auf­zu­bau­en, ohne alt­mo­disch oder eine Kopie zu sein. Ein moder­nes Stück, das aber mehr ist als nur ein mathe­ma­ti­sches Expe­ri­ment. Ich sah kürz­lich in New York die Oper Two Boys von Nico Muh­ly – sol­che Wer­ke soll­ten wir häu­fi­ger auf­füh­ren, oder Of Mice and Men von Car­l­is­le Floyd, ein sehr kraft­vol­les und berüh­ren­des Stück. Lei­der ist es heut­zu­ta­ge kaum mög­lich, dass jun­ge moder­ne Kom­po­nis­ten genug Zeit haben, ihre Spra­che zu fin­den und eine Ver­bin­dung zum Publi­kum auf­zu­bau­en.

CD-Tipp

Termine

Samstag, 27.05.2023 19:30 Uhr Konzerthalle Andermatt

Auch interessant

Interview Rolando Villazón

„Als wür­de die erwach­se­ne Welt eine Pau­se machen“

Rolando Villazón über das Weihnachtsfest mit seiner Familie, seine Leidenschaft für Weihnachtslieder aus aller Welt – und über seine Vorstellung von der besinnlichen Zeit. weiter

Operetten-Kritik: Deutsche Oper Berlin – Die Fledermaus

Der Pla­net der Fle­der­mäu­se

(Berlin, 28.4.2018) Rolando Villazón und Donald Runnicles beleben den Operettenklassiker von Johann Strauss herrlich überdreht und saukomisch, forsch und frech weiter

Online-Interview

In der Welt von… Rolan­do Vil­la­zón

In unserer Reihe „In der Welt von...“ begleiten wir, vernetzt durch Smartphone und Social Media, Künstler auf Reisen, zu spannenden Projekten und besonderen Ereignissen. Diesmal: Rolando Villazón weiter

Rezensionen

CD-Rezension Mozart: La clemenza di Tito

Teil­erfolg

Yannick Nézet-Séguin hat Mozarts „La clemenza di Tito“ aufgenommen – mit Promi-Besetzung. weiter

DVD-Rezension Rolando Villazón

Neue Frau

Rolando Villazón hat an der Deutschen Oper Berlin eine überzeugende Rondine hingelegt – als Regisseur weiter

DVD-Rezension Rolando Villazón

Ein höchst clow­nes­ker Doni­zet­ti

Typentheater à la Commedia dell`arte trifft auf Slapstick der Stummfilmära: Rolando Villazón inszeniert Donizettis Liebestrank weiter

Kommentare sind geschlossen.