Lieblingsstück Cristian Măcelaru

Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 3 F-Dur

Cristian Măcelaru entdeckt in Brahms' dritter Sinfonie pure Schönheit und erinnert sich beim Hören an ehemalige Weggefährten.

© Adriane White

„Dieses Stück schien schon immer zu meinem Leben zu gehören“: Cristian Măcelaru

„Dieses Stück schien schon immer zu meinem Leben zu gehören“:

Wenn ich den zweiten Satz von Johannes Brahms› dritter Sinfonie dirigiere, öffnet sich für mich eine Welt, in der alles existiert und alles zurückkehrt, was wir verloren haben – wohl bemerkt nur im Konzert, nicht in Proben. Ich fühle mich dabei eng mit meinem im Sommer verstorbenen Mentor Larry Rachleff verbunden. Als ich ihn dieses Andante zum ersten Mal habe dirigieren hören, entdeckte ich darin pure Schönheit. Ich erinnere mich, wie mein Konzertmeister Raphael Fliegel, der 2005 gestorben ist, von dieser Musik geschwärmt hat. Er war ein wunderbarer Mensch, ohne den ich meine Frau wahrscheinlich nicht kennengelernt hätte. Und ich muss an meinen Geigenlehrer Sergiu Luca denken, der wie ein Vater für mich gewesen ist. Bei ihm habe ich Brahms’ dritte Violinsonate studiert, die den gleichen musikalischen Gestus aufweist wie dieses Andante.

Ich bin jedes Mal überwältigt, wenn die Basslinie nach oben drängt, die Violinen absteigen und sich beide zur Coda am gleichen Punkt treffen. Das ist ein himmlischer, ehrlicher und feinfühliger Moment, der aber auch etwas Zerbrechliches ausstrahlt. Diese Sinfonie ist eng mit dem Tod von Brahms’ Mutter verbunden. Ich habe die Komposition so oft als Geiger selbst im Orchester gespielt und angehört, dass ich beim ersten Mal am Pult, mit dem Edmonton Symphony Orchestra in Kanada, Angst hatte: Ich wusste nicht, wie ich sie dirigieren sollte. Doch nach den ersten paar Takten kam es mir so vor, als würde ich zu einem alten Freund sprechen. Dieses Stück schien schon immer zu meinem Leben zu gehören.

Termine

Montag, 05.12.2022 20:00 Uhr Heinrich-Lades-Halle Erlangen

Xavier de Maistre, Orchestre National de France, Cristian Măcelaru

Ravel: „Ma mère l´oye“ – Suite für Orchester, Glière: Harfenkonzert Es-Dur op. 74, Franck: Sinfonie d-Moll

Dienstag, 06.12.2022 20:00 Uhr Alte Oper Frankfurt

Xavier de Maistre, Orchestre National de France, Cristian Măcelaru

Ravel: Ma Mère l’Oye, Glière: Harfenkonzert Es-Dur op. 74, Saint-Saëns: Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 78 „Orgelsinfonie“

Samstag, 31.12.2022 18:00 Uhr Kölner Philharmonie

Silvesterkonzert: Symphonic Jazz

Johan Hörlén (Klarinette), WDR Big Band, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru (Leitung)

Montag, 09.01.2023 19:00 Uhr Staatsoper Unter den Linden Berlin

Abonennementkonzert III

Diana Damrau (Sopran), Staatskapelle Berlin, Cristian Măcelaru (Leitung)

Dienstag, 10.01.2023 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Diana Damrau, Staatskapelle Berlin, Cristian Măcelaru

Silvestri: Drei Stücke für Streichorchester op. 4/2, R. Strauss: Werke für Sopran & Orchester, Bartók: Der holzgeschnitzte Prinz Sz 60

Dienstag, 10.01.2023 20:00 Uhr Staatsoper Unter den Linden Berlin

Abonennementkonzert III

Diana Damrau (Sopran), Staatskapelle Berlin, Cristian Măcelaru (Leitung)

Freitag, 27.01.2023 10:45 Uhr Kulturpalast Dresden

Sergey Khachatryan, Dresdner Philharmonie, Cristian Măcelaru

Chatschaturjan: Violinkonzert d-Moll (Auszüge)

Freitag, 27.01.2023 19:30 Uhr Kulturpalast Dresden

Dresdner Philharmonie, Cristian Măcelaru

Chatschaturjan: Maskerade, Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 1 f-Moll

Freitag, 27.01.2023 9:00 Uhr Kulturpalast Dresden

Sergey Khachatryan, Dresdner Philharmonie, Cristian Măcelaru

Chatschaturjan: Violinkonzert d-Moll (Auszüge)

Samstag, 28.01.2023 19:30 Uhr Kulturpalast Dresden

Sergey Khachatryan, Dresdner Philharmonie, Cristian Măcelaru

Chatschaturjan: Maskerade & Violinkonzert d-Moll, Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 1 f-Moll

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