Wer nach einem bedeutenden polnischen Komponisten gefragt wird, denkt meist zuerst an Frédéric Chopin. Doch Polen brachte viele weitere Genies hervor, etwa Mieczysław Weinberg, der eng mit Dmitri Schostakowitsch befreundet war. Die beiden inspirierten einander nachhaltig und lieferten sich einen privaten Wettstreit um die meisten Streichquartette, den Weinberg knapp gewann – bei den Sinfonien führt er mit 21 vollendeten sogar deutlich. In Bern ist nun seine dritte Sinfonie zu hören, die folkloristische Melodien aufnimmt und in ihren düsteren Passagen nach Gustav Mahler klingt.
María Dueñas mit schillerndem Violinkonzert
Knapp 40 Jahre früher als Weinberg wurde Karol Szymanowski geboren, der als ein Vater der polnischen Moderne gilt. Der exzentrische Komponist bereiste die musikalischen Zentren Westeuropas und ließ sich von Strawinsky und Ravel anregen. Sein 1916 entstandenes Erstes Violinkonzert trägt deutliche impressionistische Züge und ist unter anderem mit Celesta, Klavier und sieben Schlaginstrumenten besetzt. Den Solopart in Bern übernimmt die junge spanische Geigerin María Dueñas, Gewinnerin des Yehudi Menuhin-Wettbewerbs in der Senior Division, die sich nicht nur häufig unbekannten und zeitgenössischen Werken widmet, sondern auch eigene Kadenzen für Solokonzerte verwendet. Geleitet von seinem polnischen Chefdirigenten Krzysztof Urbański präsentiert das Berner Symphonieorchester unter dem Motto „Klang-Alchemie“ einen Abend voller expressiver Klangfarben.


