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Rezension La Ritirata – A. Scarlatti: Il Giardino di Rose

Inniges Barockoratorium

La Ritirata und ein von Sopranistin Núria Rial angeführtes Solistenquintett legen erstmals Alessandro Scarlattis „Il Giardino di Rose“ vor.

vonRoland H. Dippel,

Wer bisher an chronischer Allergie gegen das italienische Barockoratorium litt, erfährt hier Bekehrung und Heilung. Die nach einer Abschrift aus dem Diözesanmuseum Münster entstandene Weltersteinspielung der 1707 in Rom uraufgeführten Partitur des älteren Scarlatti ist wunderbares, innigstes und von mystischer Wärme durchpulstes Lob der Madonna, die hier nicht als Partie auftritt: Im metaphysischen Rosengarten wetteifern vier Tugenden um allerhöchste sittliche Bewährung. In dieser Feier erhält sogar der in Bassregionen singende und sich als Boreas ausgebende Widersacher Luzifer betörendes Charisma. La Ritirata zelebriert Scarlattis musikalische Verführungstriumphe mit erotischer Identifikation. Das beflügelt alle fünf Solostimmen zu einem das irdische Schönheitswollen magisch und fast blasphemisch feiernden Musikblendwerk. Vor dieser berührenden Attacke erlahmt jeder rationale Widerstand.

La Ritirata
La Ritirata

A. Scarlatti: Il Giardino di Rose

Núria Rial (Sopran), Alicia Amo (Sopran), Luciana Mancini (Mezzosopran), Víctor Sordo (Tenor), José Coca Loza (Bass), La Ritirata, Josetxu Obregón
deutsche harmonia mundi

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