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Rezension Franziska Pietsch – Tides of Dance

Moderne Sachlichkeit

In Richard Strauss‘ Violinkonzert gelingen Franziska Pietsch und dem Orquestra Ciudad de Granada die Balance zwischen Martialischem und Tänzerischem.

vonPatrick Erb,

Unter dem Titel „Tide of Dances“ stellt die Violinistin Franziska Pietsch, begleitet vom Orquesta Ciudad de Granada unter der Leitung von Jonathan Pasternack, Richard Strauss’ Violinkonzert dem zweiten Violinkonzert „Symphonie espagnole“ von Édouard Lalo gegenüber. Beide Werke entstanden im Abstand von etwa einem Jahrzehnt und verbindet eine markante Dialektik aus martialischer Klangtiefe und tänzerischer Eleganz – oder vielmehr deren kunstvolle Symbiose. Besonders bei Strauss gelingt dies mit vornehmer Zurückhaltung. Pasternack lässt im Kopfsatz die pompösen Fanfaren prägnant aufleuchten und öffnet damit den akzentuierten Körper des Satzes. Pietsch kann darauf mit einem elegisch-lyrischen Ton antworten. Im abschließenden Rondo wiederum werden die humorvollen Staccato-Akzente pointiert hervorgehoben, ohne den feierlichen Ernst des Konzerts zu unterlaufen. Bei Lalo wirkt diese Balance weniger organisch. In seinen fünf Sätzen treffen tänzerische Leichtigkeit und opernhafte Dramatik aufeinander, südländisches Temperament auf jene bedrohliche Tiefe, wie man sie auch bei Strauss findet. Trotz der farbenreichen Violine und der vollmundigen Orchesterklänge verliert das Werk streckenweise an Spannung – die rhythmische Phrasierung bleibt zu nüchtern. Eine gewagtere, expressivere Sprache hätte hier revitalisierend gewirkt.

Franziska Pietsch
Franziska Pietsch

Tides of Dance
R. Strauss: Violinkonzert d-Moll op. 8, Lalo: Symphonie espagnole op. 21

Franziska Pietsch (Violine), Orquestra Ciudad de Granada, Jonathan Pasternack (Leitung)
ARIA Classics

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