Porträt Apollon Musagète Quartett

Es darf auch mal Theater oder Pop sein

Das Apollon Musagète Quartett schaut beherzt über den Tellerrand der Klassik.

© Marco Borggreve

Hat sich 2006 in Wien gegründet: Apollon Musagète Quartett

Hat sich 2006 in Wien gegründet: Apollon Musagète Quartett

AMQ – nur ein Buchstabe trennt das Apollon Musagète Quartett vom legendären ABQ, dem Alban Berg Quartett, das mehr als 30 Jahre lang den Streichquartett-Olymp definiert hatte. Im Olymp haben sich aber auch die vier vom AMQ häuslich eingerichtet, denn jener namensgebende „Apollon musagète“ war ja der Gott, der nicht nur für den Frühling, die sittliche Reinheit und die Weissagung zuständig war, sondern auch für die Künste, insbesondere die Musik. Und bei den vier Göttern des Alban Berg Quartetts haben die Apollon-Jünger auch gelernt, während ihres Studiums an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien.

Dort haben die vier Polen 2006 ihr Streichquartett gegründet, das schon zwei Jahre später mit Nachdruck auf sich aufmerksam machte: 2008 räumten die jungen Musiker beim ARD-Musikwettbewerb gewaltig ab, präziser gesagt: den ersten Preis sowie drei Sonderpreise.

Apollon Musagète Quartett: Auch dort zu finden, wo man nicht mit ihnen rechnet

Man könnte jetzt aufzählen, wo das AMQ bislang überall aufgetreten ist, die würdigsten und bestklingenden Konzertorte von Berlin, Tokyo, New York, London bis Hohenems würden in dieser Liste auftauchen. Doch interessanter und quasi ein Alleinstellungsmerkmal könnte eher dies sein: Das Apollon Musagète Quartett ist auch dort zu finden, wo mit einer klassischen Kammermusik-Situation eher nicht zu rechnen ist. Etwa bei einem Projekt der Berliner Performancegruppe Nico and the Navigators oder in einer Ballettproduktion des Staatstheaters Nürnberg. Auch dass die Popmusikerin Tori Amos sich auf ihrer Tour von diesem Streichquartett begleiten lässt, unterscheidet das AMQ etwa vom ABQ. Und: Die vier Streicher spielen nicht nur zusammen, sie komponieren auch zusammen: Zwei „Kollektivkompositionen“ sind bislang erschienen, darunter „A Multitude of Shades“ für Streichquartett und Orchester.

Nach ihrem Erfolg beim ARD-Wettbewerb 2008 verzichteten die Musiker bewusst auf Mentoren und Meisterkurse. „Wir wollten nicht nachmachen, sondern etwas Einzigartiges aus uns herausholen“, sagt Geiger Bartosz Zachłod – einen „Appollon, der Führer der Musen“, so die Übersetzung von „Apollon musagète“, wollten sie nicht, sie führen lieber selbst.

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