Mit virtuoser Selbstverständlichkeit bewegt sich der Pianist Frank Dupree zwischen klassischem Konzert, Jazz und zeitgenössischen Klangwelten – und findet dabei immer auch Zeit, sich selbst, seine Leidenschaft und den Ernst des Lebens humorvoll aufs Korn zu nehmen. In einem prägnanten Gespräch über seine Instagram-Aktivitäten spricht der Pianist über…
… Urlaub mit Kollegen
Frank Dupree: Wenn man mit Menschen musiziert, die man gernhat, möchte man auch Zeit mit diesen außerhalb der Bühne verbringen. Für mich ist aber genauso wichtig, dass man beim Mittagessen, nach der Probe oder bei einem Ausflug gemeinsam Spaß hat. Diese menschliche Ebene gehört für mich zum Musizieren dazu. Mit meinem Trio bin ich natürlich besonders viel unterwegs. Man sitzt stundenlang im Bus oder im Zug – da ist es gut, gemeinsame Interessen zu haben, etwa einen Besuch im Europa-Park.
… Schottland
Dupree: Mein Jazztrio und ich hatten dort eine erfolgreiche Konzerttournee mit dem Royal National Orchestra. Wir waren in Glasgow, Aberdeen und Edinburgh und haben Gershwins Klavierkonzert gespielt, daher ist auch Patrick Hahn auf dem Foto zu sehen. Nach der Tour dachten wir: Wenn wir schon in Schottland sind, hängen wir noch ein paar Tage dran. Also Auto gemietet, und ab durch die Highlands – einmal natürlich zum Glenfinnan-Viadukt, das jeder aus „Harry Potter“ kennt, und das Tal, das man im James-Bond-Film „Skyfall“ sehen kann.
… Rückzugsorte
Dupree: Wenn ich nach Hause komme und bei meiner Familie bin, ist das für mich eine Form des Energieauftankens. Ich bekomme positive Energie von den Menschen, die ich am besten kenne. Aber wir geben uns auch auf der Bühne gegenseitig Energie, wenn einer müde ist oder einen Jetlag hat. Da stecken wir uns gegenseitig an.
… Kulinarik
Dupree: Ich koche sehr gerne, besonders Pasta. Ich versuche zwar, nicht jeden Tag Pasta zu essen, aber an diesem Abend in der Toskana (es war mein erstes Mal dort, worüber meine Frau vollends entsetzt war) haben wir gesagt: Heute gibt es richtig Pasta!

… Kaffee
Dupree: Ich bin eigentlich kein Kaffeejunkie, der genau auf Temperatur, Druck oder Bohnen achtet. Für mich geht es eher um die Wirkung als um den Geschmack. Aber etwas Süßes zum Kaffee – das muss sein! Ich spiele viel mit Simon Höfele. Der ist ein absoluter Kaffee-Perfektionist und schimpft regelmäßig über meine Kaffeemaschine, wenn er bei mir zu Hause probt. Aber ich arbeite daran, mich zu verbessern.
… Weihnachten
Dupree: Etwas ganz Besonderes, weil es mich an den Moment erinnert, als ich mein erstes Keyboard bekommen habe. Ohne dieses Geschenk meiner Eltern wäre ich vermutlich heute kein Konzertpianist. Ich spielte ständig Weihnachtslieder – sogar noch an Ostern. Bis heute spiele ich sehr gerne im Jazztrio bearbeitete Weihnachtslieder.
… Musizieren in der Familie
Dupree: Das spielt nicht mehr so eine große Rolle wie früher. Mein Vater spielt hobbymäßig Blechblasinstrumente, meine Schwester ist Musiklehrerin. Dennoch: An Weihnachten singen wir ein paar Minuten gemeinsam. Auch die nächste Generation – meine Nichten und Neffen – probieren bereits Instrumente aus und spielen gern an meinen Flügeln.
… Humor bei der Arbeit
Dupree: Sehr wichtig. Vielleicht nicht gerade in einer Hindemith-Sonate, aber hier auf dem Bild haben wir als Zugabe Frank Zappas „Approximate“ gespielt. Die Partitur besteht nur aus Rhythmus – keine Tonhöhen. Man wählt die Töne selbst. Beim ersten Durchgang spielt man, beim zweiten singt man den gleichen Rhythmus, und im dritten Teil wird alles pantomimisch dargestellt. Am Ende gibt es ein Glissando nach unten – und dann fallen wir alle um. Ich mache dabei eine Kurve nach links mit dem Bein nach oben, Simon Höfele klappt nach vorne wie eine Puppe. Das Publikum lacht sich jedes Mal kaputt.
… Vorbilder
Dupree: Peter Eötvös. Er war mein Dirigierprofessor an der HfM Karlsruhe und das Tor für mich zur modernen Klassik, darunter etwa Bartók, Stockhausen, Lachenmann. Diese Begegnung hat mich sehr geprägt. Ich spiele neben klassischem Repertoire und Jazz auch weiterhin viel zeitgenössische Musik. Dann gibt es meine Klavierlehrerin Sontraud Speidel, bei der ich 23 Jahre Unterricht hatte. Sie ist über achtzig und spielt immer noch Konzerte. Diese Hingabe zur Musik bewundere ich sehr. Unter den aktiven Musikern zählt für mich Patricia Kopatchinskaja mit ihrer unglaublichen Kreativität zu den beeindruckendsten Persönlichkeiten.
… Verantwortung
Dupree: Inzwischen spüre ich selbst eine Verantwortung gegenüber der nächsten Generation. Vor allem mein Kapustin-Projekt oder auch die Zusammenarbeit mit HK Gruber hat damit zu tun: die einzigartige Musik entdecken, aufnehmen, veröffentlichen und auch die Partituren zugänglich machen.
… Probenzeit
Dupree: Das war tatsächlich die Probe für das Konzert mit dem Sturz am Ende. Das Wetter war herrlich, wir probten bei mir zu Hause im Garten. Jakob spielte plötzlich Gitarre – ich wusste gar nicht, dass er das kann. Ich nahm die Melodica, da ich den Flügel natürlich nicht raustragen konnte … natürlich war das ein Pausenspaß für Social Media. Die intensive Arbeit folgte danach …
… Jazz versus Klassik
Dupree: Ich spiele weiterhin sehr gerne Beethoven-, Brahms- oder Tschaikowsky-Konzerte, auch viel Kammermusik, aber gerade jetzt in meinen „Wilden 30ern“ stehen Jazz und die davon inspirierte Klassik im Vordergrund. Richtig gespielt kann ein Beethoven genauso viel Energie haben, aber zurzeit haben die Kapustins Konzerte Vorrang. Die alle aufzunehmen und live zu spielen, ist ein großes Projekt.

… Naturmensch oder Stadtkind
Dupree: Beides. Ich liebe den Kontrast. Eine große Stadt wie London mit ihrem organisierten Chaos fasziniert mich genauso wie ein ruhiger Wald. Nach Konzerten tut es gut, wieder Vogelgezwitscher zu hören. Das Foto entstand in Island nach einer Aufnahme eines Klavierkonzerts. Wenn man dort die Natur sieht – Vulkan, Geysire, Blaue Lagune – versteht man plötzlich die Atmosphäre der Musik ganz anders. Und wenn ich Brahms spiele, denke ich oft an die Gegend um Baden-Baden und den Schwarzwald. Diese Verbindung zwischen Landschaft und Musik spürt man wirklich.


