Viktor Ullmanns Oper „Der Kaiser von Atlantis“ ist ein erschütterndes Beispiel für die propagandistische Verharmlosung nationalsozialistischer Vorzeigelager und zugleich ein bewegendes Zeugnis künstlerischen Widerstands. Das Werk entstand 1943/44 im Konzentrationslager Theresienstadt und entwirft eine bitterböse Parabel auf totalitäre Macht. Kaiser Overall, eine düstere Persiflage auf Adolf Hitler, herrscht abgeschottet in seinem Palast und entfesselt einen „Krieg aller gegen alle“. Seine Befehle verbreitet er über allgegenwärtige Lautsprecherdurchsagen. Doch der Tod verweigert den Gehorsam: Niemand stirbt mehr, die Macht des Herrschers gerät ins Wanken. Erst wenn der Kaiser selbst zum Opfer bereit ist, kehrt der Tod zurück. Trotz der Lagerrealität erlaubte Theresienstadt begrenztes kulturelles Leben, sodass Ullmann und Librettist Peter Kien die Oper dort einstudieren konnten, ehe beide in Auschwitz ermordet wurden. Ullmanns Musik verbindet klassische Formen mit populären Idiomen, erinnert an Weill und den frühen Schönberg. 1975 uraufgeführt, bleibt das Werk eine eindringliche Warnung vor Tyrannei.
Ullmann: Der Kaiser von Atlantis
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