Startseite » Rezensionen » Absonderliche Klangwelten

CD-Rezension Steffen Schleiermacher

Absonderliche Klangwelten

Steffen Schleiermacher überzeugt und irritiert mit Musik des verschrobenen Schönberg-Antipoden Josef Matthias Hauer

vonAndreas Falentin,

Diese Melodies und Preludes klingen wie avantgardistische Meditationsmusik. Sie faszinieren, bleiben aber nicht haften, prägen sich nicht ein. Weil der Hörer das auf „Tropen“, archetypischen Zwölftonketten, basierende mathematisch-harmonische System Hauers nicht durchschaut, nicht durchschauen kann. Man kann sich nur diesen übermütigen Kringeln, diesen mal unruhigen, mal kontemplativen Ton-Girlanden überlassen, die Steffen Schleiermacher mit viel Subtilität und noch mehr Enthusiasmus an Klavier, Harmonium und Celesta zum Vortrag bringt. Besonders die absonderliche Klangwelt des letzteren Instruments berührt eigentümlich, fast unheimlich. Am Schluss dieser auch klanglich außergewöhnlichen Dreierbox steht Sonnenmelos, Hauers erstes Zwölftonstück. Es zeigt wie unter dem Brennglas die ganze melancholische Verspieltheit, die lyrische Verschrobenheit dieses überaus hörenswerten Sonderlings.

Hauer: Sämtliche Melodien und Präludien
Steffen Schleiermacher (Klavier), Holger Falk (Bariton)
MDG (3 CDs)

Auch interessant

Rezensionen

Termine

Aktuelle Rezensionen

  • „Yvonne Loriod war eine Pionierin“
    Interview Kent Nagano

    „Yvonne Loriod war eine Pionierin“

    Kent Nagano hat sich Yvonne Loriods musikalischem Nachlass verschrieben. Beim Musikfest Berlin bringt er erstmals ein Werk der bislang als Komponistin kaum bekannten Französin zu Gehör.

Anzeige

Audio der Woche

The Bach Project – 75 Jahre Neubrandenburger Philharmonie

Das Jubiläumsalbum der Neubrandenburger Philharmonie ist eine glänzende Hommage an Bach, der wie niemand sonst Tradition und Vision, Struktur und Ausdruck, Klarheit und Emotion in sich zusammenfasste.

jpc Logo
Amazon Logo
Apple Music Button

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!