Helmut Lachenmann, der letzten November seinen 90. Geburtstag feierte, ist längst ein Klassiker der Neuen Musik. Angetreten ist er mit dem Vorsatz, die Sinne des Publikums zu schärfen, Ohren zu öffnen, die bräsige Lethargie des Gewohnten zu durchkreuzen. „Musique Concrète Instrumentale“ nennt er seine Strategie. Die hat er mit ungewöhnlichen Spieltechniken, vielerlei Verfremdung und Hervorhebung randständiger Klänge und Geräusche umgesetzt, ungewohnt, überraschend, jenseits gängiger Klangopulenz. In „Klangschatten – Mein Saitenspiel“ von 1972 für 48 Streicher und 3 Konzertflügel, luxuriös und gleichzeitig in den Klangfarben verschlankt, frappiert dieses virtuose Schaben, Kratzen, Reiben, die Bogenschläge, das Hauchen umso mehr. „Harmonica“, 1983 fertiggestellt, mit der Tuba als Solistin, ist fast schon lukullisch. Tuba und das luxierende, flirrende große Orchester mit teils kantigen Klanggestalten interagieren in einem riesig aufgefächerten Spektrum. Beide Werke sind spannend und erlebnisreich, lässt man sich auf sie ein. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, brillante Solisten und die Dirigenten Simon Rattle und Mattias Hermann bringen das alles mit Präzision, Sensibilität und Sinn fürs Wagnis. Wundervoll.
Lachenmann: Harmonica & Klangschatten
Stefan Tischler (Tuba), Yukiko Sugawara (Klavier), Tomoko Hemmi (Klavier), Alexander Waite (Klavier), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Simon Rattle (Leitung), Matthias Hermann (Leitung)
BR Klassik





