Wenn ein Sinfonieorchester sein Album „Italian Perspectives“ nennt, ist es nur folgerichtig, dort nicht Opernmusik von Verdi oder Puccini zu versammeln, sondern das weniger beachtete sinfonische Repertoire Italiens. Den Anfang der überzeugenden Einspielung aus Bamberg machen fünf „Études-tableaux“ von Sergej Rachmaninow, die Ottorino Respighi mit dessen Einverständnis orchestriert hat. Mediterrane Farben durchdringen hier russische Schatten: In der „Trauermarsch“-Etüde weicht melancholische Trübsal einer Ahnung jenseitiger Verheißung. Ausgesprochen lebhaft ist das „Trittico Botticelliano“, in dem Respighi drei berühmte Gemälde des italienischen Meisters in Klang setzt. Das erste Bild, „La Primavera“, entsteht mit tänzerischem Schwung aus Renaissance-Anleihen und Vogelgezwitscher, das an Vivaldi erinnert.
Den Abschluss des Albums bildet die d-Moll-Sinfonie von Giuseppe Martucci, Respighis Lehrer. Sein erster Beitrag zur Gattung orientiert sich hörbar an Schumann und Brahms, ohne deren motivische Originalität ganz zu erreichen, punktet jedoch mit temperamentvollen Ausbrüchen und zart schimmernden Solopassagen. Die Bamberger Symphoniker spielen mit großer Leidenschaft, aber ohne klebriges Pathos. Frizzas sicheres Gespür für Proportionen macht die Architektur der Werke transparent und wahrt die Balance zwischen dramatischer Zuspitzung und lyrischer Entfaltung. Eine Einspielung, die mit virtuoser Präzision, solistischer Farbigkeit und schlankem Klang für italienische Sinfonik begeistert.
Italian Perspectives
Rachmaninow/Respighi: Cinq Études-tableaux, Respighi: Trittico Botticelliano, Martucci: Sinfonie Nr. 1 d-Moll op. 75
Bamberger Symphoniker, Riccardo Frizza (Leitung)
Pentatone


