Eine „Zeit der Selbstreflexion, ein Moment des Innehaltens und der Suche nach dem Absoluten“ nennt Renaud Capuçon im Beiheft die Phase der Aufnahme von Johann Sebastian Bachs Partiten und Sonaten. Wer in Capuçon eher den Vertreter einer auf Eleganz ausgerichteten, romantisch geprägten Stilistik sieht, wird hier schnell einen anderen Geiger erleben: ein schlanker Ton, barockisierend, kaum Vibrato. Technisch bereitet ihm diese Musik, wie im Presto der ersten Sonate, keinerlei Mühe. Die tänzerischen Sätze in den Partiten gelingen stimmig; und dennoch besitzt die Aufnahme Schwächen. Der Double-Satz etwa in der Partita BWV 1002 fließt schön, aber auch seltsam geglättet dahin; oder die Sarabande aus BWV 1004: Wir hören Auf- und Abschwünge, aber die vielen Feinheiten, die in etlichen Vergleichsaufnahmen nachzuhören sind, kommen hier nicht wenig zur Geltung. Größer die Binnenspannung hingegen in der Chaconne. Dem Finalsatz aus der dritten Sonate fehlt einerseits das Luftige, die Echo-Effekte bleiben halbgar.
J. S. Bach: Sonaten & Partiten BWV 1001-1006
Renaud Capuçon (Violine)
Deutsche Grammophon





