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Rezension Piotr Anderszewski – Brahms: Späte Klavierwerke

Feinfühlig und geheimnisvoll

Johannes Brahms’ pianistisches Testament wird unter den Händen von Piotr Anderszewski zur emotionalen Klangreise.

vonJan-Hendrik Maier,

Auf seinem ersten Album mit Solowerken von Johannes Brahms hat sich der 1969 geborene Piotr Anderszewski für eine Auswahl aus den späten Fantasien, Intermezzi und Klavierstücken op. 116 bis 119 entschieden. Sehnsucht, Poesie und Träumerisches finden sich hier ebenso wie dunkle Seelenwelten, aufbrausende Lebensfreude und bitterschöne Nostalgie. Anderszewski fokussiert sich gänzlich auf den inneren Ton der Charakterstücke und kehrt mit seinem feinsinnigen Spiel die jeweilige Gefühlswelt hervor. Dank der gewählten Dramaturgie beschert Anderszewski dem Hörer punktgenau emotionale Höhepunkte, etwa im leidenschaftlichen Intermezzo A-Dur op. 118/2, in der düsteren, fragenden Fantasie e-Moll op. 116/5 und in Brahms’ letztem Klavierwerk, der Rhapsodie Es-Dur op. 119/4, die der polnische Pianist exemplarisch zum Funkeln bringt. Gleichwohl lässt er einen leichten Schleier des Geheimnisvollen über dem „Testament“ des Komponisten liegen, wie Anderszewski die Spätwerke aus den Jahren 1892 und 1893 nennt. Denn welche Erzählung sich hinter jedem einzelnen Stück verbirgt, bleibt der Fantasie des Zuhörers überlassen.

Brahms: Fantasien op. 116, Intermezzi op. 117 & Klavierstücke op. 118 & 119 (Auswahl)

Piotr Anderszewski (Klavier)
Warner

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