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Rezension Jakub Józef Orliński – If Music…

Emotionales Tagebuch

Countertenor Jakub Józef Orliński und sein Partner am modernen Flügel, Michał Biel, begeben sich auf eine introvertierte Seelenreise.

vonPatrick Erb,

Wenn Musik … berührt, inspiriert, aus sich heraus spricht, dann hinterlässt sie einen mächtigen, gleichwohl subjektiven Eindruck. Countertenor Jakub Józef Orliński wählt auf seinem neuen Album gemeinsam mit seinem Klavierpartner Michał Biel eine Auswahl intimer Arien, die ihm aus der Seele sprechen, emotional anregen und deren Interpretation er sich teilweise erst jetzt gewachsen fühlte. Die Protagonisten dieser introvertierten Seelenreise sind Purcell und Händel, dazu auch Fux und Bach. Orliński entscheidet sich dabei bewusst gegen das farbig-kantige Cembalo und für den klaren Klang des modernen Flügels. Denn, so die Intention, gehe es hier weniger um historische Aufführungspraxis als um eine Art emotionales Tagebuch des eigenen künstlerischen Reifegrades.

Diesen Anspruch spürt man etwa in Händels elegant zurückhaltendem, nachdenklichem „Ombra mai fu“ oder im metaphorisch schwebenden „Music for a While“, jenem Stück, dem einst Alfred Deller zu neuer Popularität verhalf und das auch in Orlińskis Karriere eine besondere Stellung einnimmt. Wo manchmal über das metaphysische Empfinden hinaus konkretes Kolorit in die Arie tritt – etwa im berühmten, spannungsreich fröstelnden „What Power Art Thou?“ des Genius of Frost –, gerät das Klavier bei aller intendierten Farbigkeit bisweilen in Erklärungsnot. Hier kann und muss jeder selbst entscheiden, wie tief er sich gemeinsam mit Orliński und seiner wohlkuratierten Auswahl in dieses Seelenabenteuer stürzen möchte.

If Music…
Werke von Purcell, Händel, Fux & J. S. Bach

Jakub Józef Orliński (Countertenor), Michał Biel (Klavier)
Erato

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