Rezension György Vashegyi – Werner: Der gute Hirt

Entdecker-Glück

Gregor Joseph Werners Begräbnisoratorium „Der gute Hirt“ macht melancholische Andacht zum überraschend schwerelosen Vergnügen.

Das Lämmchen tändelt zwischen Spaß und Genuss, bis ihm der Pilger endlich Mores lehrt. Auch in den ausdrucksstarken Rezitativen über Gottsuche und Glaubensstärke des Oratoriums zum Karfreitag 1739 brilliert Gregor Joseph Werner, der Vorgänger Joseph Haydns als Kapellmeister in Esterházy, zwischen opernhaftem Stil für das im Weltgetümmel verstrickte Schaf und der gemessenen Charakterisierung von dessen Fürsorgern. Der Pilger begegnet auf dem Weg zum Heiligen Grab dem guten Hirten erst in junger und später in gereifter Gestalt. Vieles in der abwechslungsreichen Komposition nimmt bereits den Vokalstil der Wiener Klassik vorweg. Werner nutzt alle denkbaren Instrumentalfarben und Raumwirkungen zwischen Altar und Orgelempore. Sein Begräbnisoratorium macht melancholische Andacht zum überraschend schwerelosen Vergnügen. Das Entdecker-Glück bleibt den beiden ungarischen Parade-Ensembles also treu.

© Wágner Csapó József

György Vashegyi

György Vashegyi

Werner: Der gute Hirt

Ágnes Kovács, Péter Bárány, Zoltán Megyesi, Lóránt Najbauer, Purcell Choir, Orfeo Orchestra, György Vashegyi (Leitung)
Accent

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