Hymnische Müdigkeit

CD-Rezension Alexander Markovich

Hym­ni­sche Müdig­keit

Engagierte Reha-Maßnahme für einen, der nicht zu retten ist: Alexander Markovich spielt die Klavierkonzerte von Scharwenka

Mar­ko­vich kann genau­so­we­nig wie vor ihm Hame­lin und Tanyel die Kla­vier­kon­zer­te Xaver Schwar­wen­kas ret­ten. Dabei geht er mit der gebo­te­nen Rigo­ro­si­tät zu Wer­ke, unter­streicht pia­nis­tisch glanz­voll den Zug ins Majes­tä­ti­sche die­ses Ber­li­ner Kom­po­nis­ten aus Posen, der gern mit pol­ni­schen Ein­flüs­sen koket­tier­te. Schar­wen­ka war um 1900 eine gro­ße Num­mer, auch in den USA, und man ver­steht den dama­li­gen Erfolg sei­ner von Liszt gepräg­ten, über­aus kraft­voll-bril­lan­ten Kon­zer­te. Sie lei­den auch kei­nes­wegs unter Erfin­dungs­ar­mut, klin­gen stre­cken­wei­se mit­rei­ßend, sind aber zu chao­tisch gera­ten. Die Fan­ta­sie­for­men hin­ter­las­sen eher den Ein­druck von Will­kür als von impro­vi­sa­to­ri­scher Frei­heit. Außer­dem ermü­det der hym­ni­sche Über­schwang in Per­ma­nenz. Zieht man noch die kon­ser­va­ti­ve Ten­denz in Betracht, so wird klar, war­um Schar­wen­kas Wer­ke ihren Schöp­fer nicht über­le­ben konn­ten.

Scharwenka: Die 4 Klavierkonzerte
Alexander Markovich (Klavier), Staatliches Symphonieorchester Estland, Neeme Järvi (Leitung)
Chandos
(2 CDs)

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