Mieczysław Weinberg (* 8. Dezember 1919 in Warschau; † 26. Februar 1996 in Moskau) war ein polnisch-sowjetischer Komponist, der ein umfangreiches Werk hinterließ, das in engem künstlerischem Austausch mit Dmitri Schostakowitsch entstand. Der Sohn jüdischer Eltern erhielt zunächst eine pianistische Ausbildung am Warschauer Konservatorium. Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 floh er in die Sowjetunion; seine Familie kam im Holocaust ums Leben. Er studierte Komposition in Minsk, was er wegen des Krieges ebenfalls zwei Jahre später verlassen musste. Ab 1943 lebte Weinberg in Moskau, wo ihn eine enge Freundschaft mit Schostakowitsch verband, die das Schaffen beider Komponisten nachhaltig beeinflusste.
Weinbergs Œuvre umfasst mehr als 150 Werke, darunter 26 Sinfonien, über ein Dutzend Bühnenwerke, 17 Streichquartette, 28 Sonaten sowie zahlreiche Lieder, kammermusikalische Werke und Filmmusiken. Seine Oper „Die Passagierin“, die von einer Begegnung zwischen einer Auschwitz-Überlebenden und einer ehemaligen Lageraufseherin handelt, wurde 2010 bei den Bregenzer Festspielen erstmals szenisch aufgeführt. Erst seitdem wird Weinbergs Musik auf internationalen Konzert- und Opernbühnen wiederentdeckt. Sie verbindet romantische und zeitgenössische Ausdrucksformen, weist jüdisch-folkloristische Elemente auf und zeigt stilistische Nähe zur Klangsprache Schostakowitschs. In seinen Werken setzte sich Weinberg intensiv mit seinem Schicksal – Erfahrungen von antisemitischer Gewalt, Vertreibung und Krieg – auseinander. Auch in der Sowjetunion war er Repressionen des stalinistischen Regimes ausgesetzt.



