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Rezension Talich Quartet – Gypsy Melodies

Hör‘ ich Cymbal-Klänge?

Kurzweilig, erheiternd und bisweilen nostalgisch führt das Talich Quartet durch Melodien aus Osteuropa – von Antonín Dvořák bis Grigoraș Dinicu.

vonPatrick Erb,

Mit der Frage nach einer Popmusik jenseits der Moderne blickt das Talich Quartet auf populäre Melodien der Straßenmusik und des häuslichen Musizierens Mitteleuropas. Ein Schwerpunkt liegt bei Dvořák, der sich mit seinen „Zigeunerliedern“ und „Mährischen Duetten“ einst dem deutschen Publikum empfahl und damit seine Karriere begründete. Die aus dem Vokalwerk gewonnenen Arrangements des Talich Quartets bleiben dabei nahe am kaminfeuerwarmen Ton einiger Streichquartette Dvořáks. Die volkstümliche Idylle tritt klar hervor, bisweilen recht heimelig, aber stets in einem geschmackvollen Rahmen. Besonders gelungen wirken die Mährischen Volkspoesien Janáčeks, der – dem Kassenschlager zum Trotz – oberflächliches Kolorit und karikatureske Formen weit überzeugender zu vermeiden versteht als sein Zeitgenosse. Das Ergebnis wirkt deutlich emanzipierter. Etwas gewollt geraten hingegen Bartóks vielfach arrangierte „Rumänische Volkstänze“, für die das Talich Quartet den Kontrabassisten Filip Herák und Ľubomír Gašpar hinzuzieht. Letzterer bereichert das Klangbild mit Cimbalom und Kaval, einer im Balkan beheimateten Flöte, was für skurrile Klangwelten sorgt.

Abgerundet wird das Programm durch ein kleines Bouquet entdeckenswerter Komponisten und Weisen, das die Palette an Leidenschaft und Csárdás-Seligkeit komplettiert – etwa Werke der rumänischen Violinisten Georges Boulanger und Grigoraș Dinicu. Auch wenn man die Authentizität des Gebotenen besser nicht allzu genau hinterfragt, das Album verfehlt seine Wirkung nicht. Es bleibt kurzweilig, erheiternd und bisweilen nostalgisch.

Talich Quartet
Talich Quartet

Gypsy Melodies
Werke von Dvořák, Janáčeks, Bartók, G. Boulanger, Dinicu & Vasiliev

Filip Herák (Kontrabass), Ľubomír Gašpar (Cimbalom & Kaval), Talich Quartet
La Dolce Volta

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