Rachmaninows drittes Klavierkonzert ist unter Pianisten ebenso beliebt wie gefürchtet. Einerseits bietet es spätromantischen Wohlfühlklang mit einer Vielzahl an Melodien, die sich einbrennen, und der für den Komponisten typischen, etwas melancholisch gefärbten Grundstimmung. Andererseits ist bei kaum einem anderen Konzert der Grat zwischen virtuoser Klangsuppe und musikalischem Erlebnis so schmal. Nobuyuki Tsujii, genannt Nobu, wandert auf ihm mit Bravour. Gemeinsam mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter Domingo Hindoyan präsentiert der Japaner, der von Geburt an blind ist und jedes Werk nach Gehör einstudiert, eine hervorragend ausbalancierte Lesart: intelligent phrasiert, beachtenswert präzise und romantisch gedacht. Die schlanke Opulenz, mit der Nobu die ursprüngliche Ossia-Kadenz gestaltet, muss den Vergleich mit Yefim Bronfman oder Arcadi Volodos nicht scheuen. Dem gegenüber stellt er auf seiner zweiten Platte für das Gelblabel drei Lieder von Rachmaninow – allesamt kantabel gespielt –, dessen Transkription von Rimski-Korsakows „Hummelflug“, die hier wohltuend frisch daherkommt, sowie Mikhail Pletnevs Konzertsuite aus Tschaikowskys „Nussknacker“. Letztere gestaltet der 37-Jährige herrlich melodiös.
Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30, Vocalise op. 34/14, Flieder op. 21/5 & Hier ist es schön op. 21/7, Rimski-Korsakow/Rachmaninow: Hummelflug, Tschaikowsky/Pletnev: Konzertsuite aus „Der Nussknacker“ op. 71
Nobuyuki Tsujii (Klavier), Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Domingo Hindoyan (Leitung)
Deutsche Grammophon


