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Rezension Kazuki Yamada – Walton: Sinfonien

Stringente Linienführung

Seit 2023 ist Kazuki Yamada Musikdirektor des City of Birmingham Symphony Orchestra. Auf dem gemeinsamen Debüt-Album klingen William Waltons markante Sinfonien glatt und geschmeidig.

vonBenjamin Elsholz,

Überzeugt davon, dass englisches Repertoire einem englischen Orchester besonders gut liegt, hat sich Kazuki Yamada für sein erstes Album in Birmingham William Walton zugewandt – Elgar wird schließlich häufig gespielt. Vor Waltons zwei Sinfonien, die im Abstand von 25 Jahren entstanden sind, stellt Yamada den zu Ehren Queen Elizabeth II. komponierten Krönungsmarsch „Orb and Spectre“. Bereits hier zeigt sich Yamadas geschmeidiger Zugriff: Die Musik bleibt kontinuierlich im Fluss, wobei Kontraste und Detailarbeit der stringenten Linienführung untergeordnet werden. Davon profitiert Waltons zweite Sinfonie, die in ihrer schillernden Lebendigkeit an Ravels Klavierkonzerte erinnert. Yamada hütet sich hier davor, einzelne Kontraste allzu grell hervorzuheben, sodass die Musik angenehm funkelt. Waltons erster Sinfonie jedoch fehlt es in der Einspielung an Biss, Tiefgründigkeit und dynamischer Differenzierung. Die Akzente der Blechbläser im zweiten Satz schlagen zum Beispiel nicht ansatzweise so effektvoll ein wie in Simon Rattles Interpretation, der das Stück ebenfalls mit dem CBSO eingespielt hat. Klanglich wirkt die Live-Aufnahme zudem etwas flach und distanziert. Trotzdem finden sich auch wunderbar zart gestaltete Solopassagen, wie im dritten Satz der Ersten, wo die Holzbläser melancholisch singend über die fein geführte Streichergrundierung gleiten.

Walton: Sinfonien Nr. 1 & 2 & Orb and Spectre

City of Birmingham Symphony Orchestra, Kazuki Yamada (Leitung)
Deutsche Grammophon

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