Eigener Weg ins Geheimnis

CD-Rezension Lars Vogt

Eige­ner Weg ins Geheim­nis

Lars Vogt setzt sich erstmals mit der Musik Frédéric Chopins auf CD auseinander

Jetzt, end­lich, hat er es gewagt. Erst­mals hat Lars Vogt Wer­ke von Fré­dé­ric Cho­pin auf­ge­nom­men. Vogt zählt nicht zu den Pia­nis­ten, die im Halb­jah­res-Rhyth­mus eine CD dem Markt zufüh­ren, um den eige­nen Popu­la­ri­täts­sta­tus zu unter­mau­ern. Er lässt sich nicht von den Trie­ben des Mark­tes pushen. Das merkt man sei­ner neu­en Auf­nah­me jeder­zeit an. Vogt wählt einen eige­nen Weg, fern­ab der berau­schen­den Vir­tuo­si­tät eines Horo­witz oder der majes­tä­ti­schen Wür­de eines Rubin­stein. Die­ser Cho­pin klingt anders, so teil­wei­se noch nicht gehört: inti­mer, ver­son­ne­ner, wel­ten­fer­ner. Ob in der g‑Moll-Bal­la­de, im Mol­to più len­to des ers­ten Scher­zos, im Trio des Trau­er­mar­sches aus der zwei­ten Sona­te oder in den sechs aus­ge­wähl­ten Noc­turnes – Vogt dringt in die Welt der Pia­nis­si­mi, der gesun­ge­nen Melo­dien, der ver­bor­ge­nen Geheim­nis­se vor. Stän­dig wech­selt er die Beleuch­tung, sei­ne Regie ist so dis­kret, wie man es von Cho­pins dich­ter Tex­tur kaum erwar­ten wür­de. Geschwin­dig­keits­re­kor­de und der gan­ze klir­ren­de Zau­ber inter­es­sie­ren Vogt nicht, dafür dringt er mit einer Lust am rei­nen Klang bis zum poe­ti­schen Kern vor.

Chopin: Ballade Nr. 1, Scherzo Nr. 1, Sonate
Nr. 2, Nocturnes op. 9
Nr. 1 & 2, op. 27 Nr. 1 & 2

Lars Vogt (Klavier)
CAvi-music

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