Startseite » Interviews » instaview » „Wir machen schon auch Quatsch – aber eigentlich immer mit Niveau“

Interview: German Gents erzählen im #InstaView die Story hinter dem Bild

„Wir machen schon auch Quatsch – aber eigentlich immer mit Niveau“

Die Story hinter dem Bild: Im InstaView stellen sich German Gents einer geheimen Auswahl ihrer eigenen Instagram-Postings – und bekommen Gelegenheit zum Kommentar.

vonPatrick Erb,

Für die German Gents ist Instagram weit mehr als ein Kanal für Konzertankündigungen, Saisonrückblicke oder wohlüberlegter Albernheiten: Es ist ein zentraler Ort des Austauschs mit ihrer stetig wachsenden Fangemeinde. Die vier ehemaligen Berliner Domchorsänger greifen dabei immer wieder gern Anregungen auf, welche Klassiker aus Pop, Rap oder Schlager als A-cappella-Arrangement ein neues Leben erhalten sollen.


Raphael: Als wir im vergangenen November im Berliner Olympiastadion standen, war das für uns natürlich etwas Besonderes. Unser erster Auftritt in einem großen Stadion, vor dieser Kulisse, bei einem NFL-Spiel. Wir waren im Jahr davor schon einmal bei der Icon League, aber das war ja ein Hallenfußballturnier. Eine Größenordnung wie bei der NFL kannten wir bis dahin nicht.

Marcel: Dass eine A-cappella-Gruppe die deutsche Nationalhymne singt, war nicht selbstverständlich: weder für den Veranstalter, noch für das Publikum. Genau dieser Bruch mit der Erwartung war aber offenbar gewollt.

Raphael: Was man dem Bild nicht ansieht: Wir kamen direkt aus Luxemburg, wo wir am Vorabend ein Konzert gegeben hatten. Unser Reisebüro Marcel hat uns ein Shuttle zum Frankfurter Flughafen organisiert, von dort sind wir frühmorgens nach Berlin geflogen und standen dann vor dem Auftritt bei eisiger Kälte eine halbe Stunde im T-Shirt auf dem Feld. Die Kälte hat sich mir fast stärker eingeprägt als das Ereignis. Musikalisch war das aber auf jeden Fall eine spannende Aufgabe – jeder hat ja seine eigene Vorstellung davon, wie die deutsche Nationalhymne klingen soll. Armin, der bei uns die Arrangements schreibt, hat alles mit großer Sorgfalt vorbereitet. Wir haben viel abgestimmt, vorab Material geschickt und diskutiert.

***


Marcel: Das war eine sehr coole Sache. Tatsächlich kam Bodo auf uns zu. Er hatte ja diesen viralen Hit mit „Barbaras Rhabarberbar“ – und das haben wir dann mit „Veronika, der Lenz ist da“ im 20er-Jahre-Verschnitt verbunden. Die Idee mit den Rhabarberstangen und der Zigarre war ziemlich spontan, aber passend. Wir fanden das einfach lustig – und es ist am Ende ein Bild geworden, das sofort eine Geschichte erzählt.

Raphael: Das Video haben wir in Clärchens Ballhaus in Berlin gedreht. Da gibt es unter anderem eine tolle Eventlocation und ein Restaurant, man kann die Räume aber auch als Drehort mieten. Die Atmosphäre dort hat einfach gut gepasst: ein bisschen Patina, ein bisschen Charme. Bodo kannte den Ort auch schon, und dann war relativ schnell klar: das passt.

***


Raphael: Das ist mein Lieblingsbild. Das war nach dem letzten Sommer, da war Marcel im Urlaub und kam in nicht so guter Form zurück… Nein Quatsch, das war bei einem Videodreh für unser erstes Album „Love“. Ich weiß nicht mehr genau, wie die Szene war. Gedreht haben wir jedenfalls in Falkensee bei Berlin. Das ist so ein Stück hinter Spandau.

Marcel: Es ging einfach um so eine Grillsituation von älteren Männern im Garten. Wir haben uns sozusagen „daddymäßig“ angezogen, jeweils mit unterschiedlichen Charakteren. Das war im Grunde der Witz der Szene.

***


Raphael: Das ist vom gleichen Videodreh, aber an einem anderen Ort. Wir hatten im Intercontinental Berlin eine Suite gemietet. Das Design der Suite war zurückhaltend, aber diese Badewanne war da und stach heraus, und dann wurde sie Teil der Szene. Und ja, für mich war es einer der angenehmsten Drehs, die wir je hatten.

Marcel: Das war tatsächlich eine der luxuriösesten Suiten, die man dort bekommen kann. Dank entsprechender Kontakte konnten wir diese stundenweise anmieten.

***


Raphael: Das war unser erster Videodreh im Studio, für die erste Single „Farewell My Summer Love“  für unser erstes Album „L.O.V.E.“.
Das war für uns ein großes Ausprobieren und hat super viel Spaß gemacht. Wir waren dafür in einem Studio in Berlin, zusammen mit unserem Kameramann Johannes Jost.

Marcel: Sehr witzig – und so ein bisschen trashig. Der Song ist eigentlich richtig schön. Er ist von Michael Jackson, aber man erkennt ihn nicht sofort, wenn man Michael Jackson hört und direkt an die ganz großen Hits denkt.

Raphael: Das Bild steht quasi stellvertretend dafür, was wir gerne machen: Wir hatten eigentlich immer Freude daran, auf der Bühne zu sein und mit den Klischees zu spielen, die es so gibt. Hier ging es vor allem darum, sich das auch vor der Kamera zu trauen. Das ist noch mal eine andere Situation als auf der Bühne.

Marcel: Inzwischen ist unsere Hemmschwelle da ziemlich niedrig. Wir machen schon auch Quatsch – aber eigentlich immer mit Niveau oder mit einem Witz dahinter.

Raphael: Und ja: Wenn die Kamera aus ist, ist es wahrscheinlich noch schlimmer. Aber das muss jetzt nicht Teil des Interviews sein. (Nein, Spaß. – So schlimm sind wir nicht.)

***


Raphael: Das Foto mit den Kindern entstand nach einem Konzert in Königslutter im Kaiserdom, ich würde sagen eines unserer ersten. Danach wurden wir gefragt, ob wir noch einen Workshop an einer Schule machen wollen. Musik weiterzugeben war uns immer wichtig, deshalb haben wir sofort zugesagt. Kinder sind unglaublich offen. Sie singen ohne Hemmungen, sind enthusiastisch und geben Kritik aber auch direkt weiter. Das ist ganz anders als bei Erwachsenen, die oft verklemmt sind. Diese Ehrlichkeit ist toll. In Zukunft wollen wir wieder auf jeden Fall wieder mehr Workshops machen, oft kombiniert mit Konzerten am Abend.

***


Raphael: Die Kooperationen funktionieren unterschiedlich. Manche Firmen kommen auf uns zu, manche sprechen wir selbst an. Es soll für die Leute, die uns folgen, nicht wie eine Belästigung wirken, sondern weiterhin unterhaltsam sein. Wichtig ist natürlich, dass die Marke zu uns passt. Am Ende ist das Ensemble und der Gesang unser Beruf – wir sind keine Marketing-Maschine. Daher muss der Content stimmen. GeloRevoice ist naheliegend, wir nutzen die alle.

Marcel: Bei den Reels geht es uns generell darum, nicht einfach nur dazustehen und zu singen. Es muss immer ein kleines Etwas geben, dass das Ganze personalisiert. Es sind fast alles Onetaker. Irgendwann muss ein Take dabei sein, mit dem alle zufrieden sind. Das ist stimmlich und mental anstrengend. Das GeloRevoice Jingle ist von unseren bisherigen Arrangements die einzige reine Eigenkomposition.

Raphael: Ideen kommen aus Kommentaren, aus Trends oder einfach durchs Scrollen. Ich schaue zum Beispiel viele TikToks als Inspiration – etwas, das ich privat nie machen würde. Armin arrangiert sehr schnell, oft in ein, zwei Tagen. Wenn wir aufnehmen, schaffen wir realistisch zwei bis drei Reels an einem Tag. Mehr geht kaum, weil man einen passenden Ort braucht, es akustisch und optisch stimmen muss und man mehrere Anläufe braucht. Das Aufnehmen selbst ist dabei fast der kleinste Teil – davor und danach passiert viel mehr.

***

Auch interessant

Rezensionen

  • „Ohne Geige würde mir die Seele fehlen“
    Interview Joshua Bell

    „Ohne Geige würde mir die Seele fehlen“

    Seit 2011 leitet Joshua Bell die Academy of St Martin in the Fields. Sein Violinspiel liegt in zahlreichen Aufnahmen vor – und in 20 000 digitalen Samples.

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!