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Musikfest Berlin 2026

Vom 28. August bis 23. September 2026 feiert das Musikfest Berlin zugleich das 75-jährige Bestehen der Berliner Festspiele und spannt einen faszinierenden Bogen von den Nachkriegsjahren bis zur Gegenwart mit klugen Perspektivwechseln, prominenten Künstlerpersönlichkeiten und einem Programm zwischen Opernexperiment, sinfonischer Tradition und zeitgenössischer Klangkunst.

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Zwischen spätsommerlicher Leichtigkeit und dem Auftakt zur neuen Konzertsaison beginnt für viele Klassikfans die wohl schönste Zeit des Jahres: das Musikfest Berlin. Über drei Wochen lang wird die Hauptstadt erneut zum internationalen Treffpunkt für große Orchesterkunst, musikalische Entdeckungen und programmatische Abenteuer.

2026 steht das Festival unter einem besonderen Vorzeichen: Die Berliner Festspiele feiern ihr 75-jähriges Bestehen. Insbesondere um das Eröffnungswochenende des Musikfest Berlin greifen ausgewählte Programme dieses Jubiläum thematisch auf oder entwickeln daraus neue Formate – unter anderem im Haus der Berliner Festspiele, im Gropius Bau, in der Philharmonie Berlin sowie an ungewöhnlichen Spielorten wie der Berliner Ringbahn. Internationale Künstlerpersönlichkeiten wie Marina Abramović, Gabriele Stötzer und Akira Takayama setzen dabei markante, künstlerische Akzente.

Das Finnish Radio Symphony Orchestra bringt György Ligetis Anti-Oper „Le Grand Macabre“ beim Musikfest Berlin auf die Bühne
Das Finnish Radio Symphony Orchestra bringt György Ligetis Anti-Oper „Le Grand Macabre“ beim Musikfest Berlin auf die Bühne

Das Musikfest Berlin setzt auf kluge Perspektivwechsel

Das Musikfest Berlin nutzt dieses Jubiläum jedoch nicht bloß als historischen Rahmen, sondern als dramaturgischen Ausgangspunkt. Vom 28. August bis zum 23. September spannt das Festival einen Bogen von den Nachkriegsjahren der Berliner Festwochen bis in die Gegenwart zeitgenössischer Klangkunst. Statt nostalgischer Rückschau setzt das Programm auf kluge Perspektivwechsel, die Vergangenheit und Gegenwart bewusst miteinander verschränken.

Das zeigt bereits die Eröffnung am 28. August mit György Ligetis Anti-Oper „Le Grand Macabre“. Unter der Leitung von Nicholas Collon bringen das Finnish Radio Symphony Orchestra und der Helsinki Chamber Choir die apokalyptische Vision konzertant auf die Bühne. Seit den 1960er-Jahren waren Ligetis Werke regelmäßig bei den Berliner Festwochen und später beim Musikfest Berlin präsent.

Die Berliner Festspiele, 1951 als Berliner Festwochen gegründet, verstanden sich von Beginn an als kulturelle Brücke zwischen Ost und West. Später begleiteten sie die kulturellen Prozesse der Wiedervereinigung und verfügen seit 2001 mit dem Haus der Berliner Festspiele sowie dem Gropius Bau über eigene Spielstätten.

Eine besondere Begegnung mit japanischer Theatertradition bietet das Gastspiel des renommierten Kanze Nō Theaters aus Tokio
Eine besondere Begegnung mit japanischer Theatertradition bietet das Gastspiel des renommierten Kanze Nō Theaters aus Tokio

Schwerpunkt Oper

Zu den Höhepunkten des diesjährigen Musikfest Berlin zählt außerdem George Gershwins „Porgy and Bess“ (15.9.) mit dem Chineke! Orchestra und dem Cape Town Opera Vocal Ensemble. Die halbszenische Produktion verbindet amerikanische Operntradition mit aktuellen kulturpolitischen Fragestellungen und dürfte zu den meistdiskutierten Abenden des Festivals gehören.

Ebenso eindrucksvoll verspricht Wolfgang Rihms archaisches Orchesterritual „Tutuguri“ (2.9.) nach Texten von Antonin Artaud zu werden, interpretiert vom Lucerne Festival Contemporary Orchestra. Auch Karlheinz Stockhausens Oper „Mittwoch aus Licht“ (19.9.) kehrt in einer Inszenierung von Susanne Kennedy auf die Bühne zurück und markiert zugleich den programmatischen Auftakt für Aviel Cahn, den neuen Intendanten der Deutschen Oper Berlin.

Fantastisch und verspielt wird es mit Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ (19.9.) in der gefeierten Produktion des Salzburger Marionettentheaters, für die Georg Baselitz Puppen und Bühnenbild entwarf. Eine besondere Begegnung mit japanischer Theatertradition bietet darüber hinaus das Gastspiel des renommierten Kanze Nō Theaters aus Tokio (21.9.) unter der Leitung von Kiyokazu Kanze, Großmeister der traditionsreichen Kanze-Schule.

Ein Schwerpunkt beim Musikfest Berlin gilt Hans Werner Henze, dessen Geburtstag sich am 1. Juli 2026 zum hundertsten Mal jährt
Ein Schwerpunkt beim Musikfest Berlin gilt Hans Werner Henze, dessen Geburtstag sich am 1. Juli 2026 zum hundertsten Mal jährt

Neuentdeckungen und Neugehörtes

Ein weiterer Schwerpunkt gilt Hans Werner Henze, dessen Geburtstag sich am 1. Juli zum hundertsten Mal jährt. Kaum ein anderer Komponist war über Jahrzehnte hinweg so eng mit den Berliner Festspielen verbunden. Noch 2007 wurde dort seine letzte Oper „Phaedra“ uraufgeführt. Das Musikfest erinnert nun mit mehreren Werken an den Komponisten und sein langjähriges Wirken.

Daneben widmet sich das Festival auch selten gehörten Stimmen der Musikgeschichte, etwa der Komponistin und Pianistin Yvonne Loriod, deren monumentales Werk „La Sainte Face“ (5.9.) uraufgeführt wird. Kent Nagano, der das Berliner Musikleben über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt hat, begegnete in der Pariser Nationalbibliothek erstmals mehreren umfangreichen Orchesterpartituren seiner ehemaligen Lehrerin. Gemeinsam mit dem WDR Sinfonieorchester bringt er diese Werke nun zur Uraufführung und rückt sie damit ins öffentliche Bewusstsein.

Jordi Savall und Le Concert des Nations widmen sich beim Musikfest Berlin einem reinen Mendelssohn-Programm
Jordi Savall und Le Concert des Nations widmen sich beim Musikfest Berlin einem reinen Mendelssohn-Programm

Große Namen und große Fragen

Historisch informierte Aufführungspraxis trifft beim Musikfest Berlin auf große orchestrale Tradition. Ensembles wie Le Concert des Nations (29.8.) oder das Freiburger Barockorchester (3.9.) präsentieren Werke von Felix Mendelssohn und Robert Schumann in transparenten, schlanken Klangbildern. Klangkörper wie das London Symphony Orchestra (6.9.) oder die Wiener Philharmoniker (9.9.) spannen dagegen den großen sinfonischen Bogen von Anton Bruckner bis Sofia Gubaidulina.

Bemerkenswert ist zudem die dramaturgische Intelligenz des Programms. Viele Konzerte stehen in thematischen Beziehungen zueinander: Fragen kultureller Erinnerung, die Nachwirkungen des 20. Jahrhunderts oder die Entwicklung orchestraler Klangsprache ziehen sich wie feine Linien durch das Festival. Manche Abende könnte man als musikalische Essays über Geschichte und Gegenwart begreifen.

So präsentiert sich das Musikfest Berlin einmal mehr als Festival der offenen Ohren. Zwischen Mahler und Ligeti, Bruckner und Gegenwartsmusik, Opernexperiment und sinfonischer Tradition entsteht ein Programm, das nicht auf bloße Repräsentation setzt, sondern auf Neugier, Entdeckung und künstlerische Haltung.

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