Im Montafon wird nicht lange gefremdelt. Hier ist man schnell „per Du“, manchmal schon unterhalb der magischen 1000-Meter-Marke. Genau diese ungezwungene Nähe prägt auch ein Festival, das längst zu den spannendsten Kulturerlebnissen im Alpenraum zählt: die Montafoner Resonanzen.
Vom 6. August bis 5. September 2026 verwandelt sich das südlichste Tal Vorarlbergs erneut in eine Bühne, auf der sich Natur, Klang und Begegnung auf besondere Weise verbinden.

Konzerte mit Bergpanorama
Was das Festival so einzigartig macht, ist weniger das große Spektakel als vielmehr die Kunst der Intimität. Statt anonymer Konzertsäle erwarten das Publikum barocke Dorfkirchen, alpine Hütten, Gärten oder gleich die freie Natur. Hier wird Musik nicht nur gespielt, sondern erlebt, inklusive Bergpanorama als Bühnenbild. Wer urbanes Kulturflair sucht, ist hier fehl am Platz. Wer hingegen auch gern mal in Wanderschuhen zum Konzert erscheint, bewegt sich hier im passenden Umfeld.
Seit 1977 bringen die Montafoner Resonanzen, ehemals Montafoner Sommerkonzerte, vielseitige Musikstile in das 39 Kilometer lange Tal in Vorarlberg. Über Jahrzehnte hinweg haben sie sich zu einem Festival mit überregionaler Strahlkraft entwickelt. Unter der künstlerischen Leitung von Markus Felbermayer wurde das Profil geschärft und der Name „Resonanzen“ bewusst gewählt. Er steht für die thematischen Schwerpunkte ebenso wie für das Echo, das Musik hier in der Landschaft und im Publikum findet.

Die Montafoner Resonanzen setzen auf Vielfalt
Das Programm ist so vielseitig wie die Topografie des Tals. An mehreren Wochenenden entfaltet sich ein Panorama aus Blas-, Kammer-, Volks- und Orgelmusik sowie Jazz und Crossover. Internationale Gäste treffen auf regionale Künstlerinnen und Künstler, Tradition auf Experiment. Diese Mischung zieht nicht nur Kulturreisende an, sondern auch Einheimische und schafft eine Atmosphäre, in der man sich nach dem Konzert begegnet.
Das Rheingold Quartett und German Horn Sound eröffnen das Festival (31.7.) mit einer Uraufführung für acht Hornisten. Eine Woche später rückt die Kammermusik in den Fokus mit intimen Besetzungen sowie fein austarierten Klangfarben zwischen Alter Musik und Gegenwart. So haben Klarinettist David Orolowsky und Lautenist David Bergmüller für ihr Programm „Alter Ego“ (6.8.) ihre eigene Klangsprache entwickelt und Werke von Henry Purcell, John Dowland, Giovanni Girolamo Kapsberger und Thomas Preston neu arrangiert und um Eigenkompositionen bereichert.
Ein ganz anderes Erlebnis verspricht das Jazz-Wochenende unter freiem Himmel. Beim musikalischen Picknick (15.8.) am Bartholomäberg beim historischen Bergwerk wird die Landschaft Teil der Improvisation. Das Ensemble Brasspur verbindet Einflüsse aus verschiedenen Kulturen zu einem offenen, energiegeladenen Sound. Statt festgelegter Formen entstehen hier musikalische Dialoge, die genauso unvorhersehbar sind wie das Wetter in den Alpen.

Klangliche Grenzüberschreitung
Mit dem Crossover-Abend schlägt das Festival dann eine bewusst humorvolle, spielerische Richtung ein. Faltenradio (23.8.) bringt mit „Überschall“ ein Programm auf die Bühne, das Musik, Satire und klangliche Grenzüberschreitung verbindet. Hier wird nicht nur musiziert, sondern auch hinterfragt: Wie hören wir eigentlich? Und was passiert zwischen den Tönen? Ein Abend, der das Publikum gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken bringt.
Besonders charakteristisch für die Montafoner Resonanzen ist die Verbindung von Volksmusik und klassischer Tradition. In der Alten Kirche Vandans (29.8.) treffen mit Klarinettist Dani Häusler, Harmonikaspieler Fränggi Gehrig und Organist Martin Heini drei Musiker aufeinander, die genau diese Schnittstelle verkörpern. Ihre Programme wechseln zwischen überlieferten Melodien, neuen Kompositionen und überraschenden Arrangements, die zeigen, wie lebendig Volksmusik sein kann.

Jeder Stil an seinem eigenen Ort
Den Abschluss bildet die Orgelmusik – ein Höhepunkt, der den sakralen Raum in den Mittelpunkt stellt. So gestaltet etwa in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Tschagguns (5.9.) Frédéric Champion eine „musikalische Pilgerreise“, die von barocker Pracht bis zu feinsinnigen Klangexperimenten reicht. Werke von Georg Muffat, Jean-Baptiste Lully oder Juan Cabanilles werden dabei nicht museal präsentiert, sondern als lebendige Klangrede erfahrbar.
Was diese Programme so besonders machen, ist auch ihre räumliche Dramaturgie: Jazz auf der Wiese, Volksmusik im Dorf, Orgelklänge in der Kirche. Jeder Stil findet seinen eigenen Ort, was dem Festival seine Authentizität verleiht. So sind die Montafoner Resonanzen eine Einladung, Musik eingebettet in die Landschaft, die Geschichte und im Rahmen vielfältiger Begegnungen zu erleben – eben ganz „per Du“.

