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Die gesamte Welt der Klassik zwischen Gutshaus und Seenplatte

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  • Die gesamte Welt der Klassik zwischen Gutshaus und Seenplatte

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern 2026

Mit traditionsreichen Formaten, abwechslungsreichen Themenschwerpunkten und einer schier unerschöpflichen Konzertdichte im gesamten Bundesland bleiben die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern auch in ihrer 36. Ausgabe ihrem Ruf als prägende Klassikinstitution des Nordostens treu.

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Rund 120 Konzerte an 90 verschiedenen Spielstätten, dazu etwa 1.500 Künstlerinnen und Künstler: Wenn Mitte Juni die Sommerausgabe der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern feierlich eröffnet wird, verwandelt sich eines der schönsten Bundesländer Deutschlands in einen einzigen großen Kulturhotspot. Von renommierten Orchestern wie der Academy of St Martin in the Fields, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen oder der Sächsischen Staatskapelle Dresden bis hin zu exquisit gestalteten Solorezitalen bleiben die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ihrem sorgfältig geschärften Profil treu. Sie präsentieren die Stars der internationalen Klassikszene ebenso wie die vielversprechenden Hoffnungsträger des Nachwuchses – von Schwerin bis Putbus, von Stralsund bis Neustrelitz.

Armida Quartett gestaltet als Residenzensemble 19 Konzerte des Festivals

Wie ein programmatischer Leitfaden ziehen sich 19 Auftritte des Armida Quartetts durch das dreimonatige Festival. Als Preisträger in Residence gestaltet das Ensemble auch das Eröffnungskonzert mit der NDR Radiophilharmonie, das am 13. Juni in der Konzertkirche Neubrandenburg den Festivalreigen einläutet. Zum Auftakt steht mit Johannes Fischers „Buzzer Beater“ für Streichquartett und Audiotrack die diesjährige Festspiel-Auftragskomposition auf dem Programm. Daneben ist unter anderem Louis Spohrs außergewöhnliches Konzert a-Moll für Streichquartett und Orchester op. 131 zu erleben – eine seltene Bereicherung des schmalen Repertoires für diese Besetzung.

Mehr noch als für selten gespieltes Repertoire steht das Armida Quartett für genreübergreifende Experimentierfreude. Von Linstow über Mestlin bis Krakow am See treffen Brahms auf Piazzolla, Streicherklang auf Bandoneon und Tango auf Polka. Fast schon klassisch erscheint dagegen das literarisch-musikalische Konzert in Stralsund, das das Quartett gemeinsam mit dem GrauSchumacher Piano Duo gestaltet (30.8.). Ulrich Noethen liest dabei aus Julian Barnes’ Roman „Der Lärm der Zeit“, in dem der Autor das Leben Dmitri Schostakowitschs während der Jahre des stalinistischen Terrors zwischen Anpassung und Widerstand, Angst und Kreativität porträtiert. Wie meisterhaft Schostakowitsch seiner Gefühlswelt und dem rasenden Tempo seiner Zeit musikalischen Ausdruck verlieh, zeigen die zahlreichen schnellen Allegretti, die an diesem Abend in Auszügen zu hören sind.

Rising Star an der Harfe: Tjasha Gafner
Rising Star an der Harfe: Tjasha Gafner

Von Weltstars und jungen Eliten

So zahlreich die Spielorte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern sind, so vielfältig präsentiert sich auch die stetig wachsende Schar der Preisträgerinnen und Preisträger, die inzwischen zu einer großen Festivalfamilie zusammengewachsen ist. Zu ihr gehören längst international gefeierte Künstlerpersönlichkeiten wie die Violinisten Julia Fischer und Daniel Hope, der Bratschist Nils Mönkemeyer oder der Pianist Kit Armstrong, die immer wieder gern in den Nordosten zurückkehren und dort Klassik auf höchstem Niveau präsentieren.

Nicht minder spannend sind die jüngsten Mitglieder dieser Festivalfamilie, die sich im traditionellen Galakonzert vorstellen, etwa die Harfenistin Tjasha Gafner und der Violinist Tassilo Probst, die zu den herausragenden Nachwuchskünstlern ihrer Generation gehören (18.7.). Auch darüber hinaus gastieren zahlreiche junge Musikerinnen und Musiker bei den Festspielen, die längst den Sprung auf die internationale Bühne geschafft haben. Dazu zählen der russische Pianist Roman Borisov, der mit einem weit gespannten Programm von Mendelssohn bis Ruth Crawford Seeger zu erleben ist (31.7.), oder der italienische Violinist Andrea Cicalese, der Violinsonaten von Schubert, Brahms und Franck interpretiert (16.8.).

Der Thomanerchor Leipzig zählt zu jenen Ensembles, die zeigen, wie vielfältig die menschliche Stimme ist
Der Thomanerchor Leipzig zählt zu jenen Ensembles, die zeigen, wie vielfältig die menschliche Stimme ist

Fokus: menschliche Stimme

Von den über den Tellerrand hinausblickenden „Nicht ganz klassisch“-Konzerten über die idyllischen Ausflugsangebote „Landpartien“ bis hin zum kompositorisch hochverdichteten „Brahms am Haff“: Spielerische Themenschwerpunkte und kleine Reihen gehören zum Festival ebenso wie Gutsscheunen, Dorfkirchen oder Landschlösser. Einer dieser Schwerpunkte widmet sich in diesem Jahr der menschlichen Stimme, die in den unterschiedlichsten Facetten zu erleben ist: von reiner A-cappella-Kunst bei den King’s Singers über den Liedgesang von Benjamin Appl und Chansons mit Annett Louisan bis zu freien Jazztönen von Thomas Quasthoff und dem Chor-Oratorium „Elias“, das zahlreiche Ensembles des Landes vereint.

Als Grenzgänger zwischen den Genres darf dabei sicher Götz Alsmann gelten, der König des deutschen Jazzschlagers. Mit seinem Programm „Bei Nacht“ versteht er es, zwischen erfindungsreicher Wortakrobatik und unübertrefflicher Unterhaltungskunst zahlreiche nächtliche Evergreens der Schlagergeschichte ebenso melancholisch wie humorvoll in Szene zu setzen (27. & 28.6.).

Zwischen Klassik und Jazz: die Pianisten und Grenzgänger Kit Armstrong und Michael Wollny
Zwischen Klassik und Jazz: die Pianisten und Grenzgänger Kit Armstrong und Michael Wollny

Mythos Orchester

Unter dem Motto „360° Mythos Orchester“ widmet sich das traditionelle Themenwochenende auf Schloss Ulrichshusen den vielen Facetten einer scheinbaren Selbstverständlichkeit: dem Sinfonieorchester. Doch wie interagieren so viele professionelle Musiker miteinander? Wer spielt die erste Geige? Und wie sieht das Orchester der Zukunft aus? Insgesamt sieben Konzerte und Gesprächsformate blicken innerhalb von zwei Tagen vor und hinter die Kulissen dieses komplexen Organismus. Moderiert von Friederike Westerhaus, sind Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, Dirigent Cornelius Meister sowie Matthias Ilkenhans, Manager der NDR Radiophilharmonie, als fachkundige Gesprächsgäste zu erleben (15. & 16.8.).

Interessierte müssen dabei keineswegs den gesamten Marathon mit Gesprächen, offenen Proben und moderierten Konzerten absolvieren, sondern können gezielt einzelne Veranstaltungen auswählen. Was hier gilt, gilt auch für die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern insgesamt: Ein ausgedehnter Blick ins Programmheft wird im besten Sinne belohnt.

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