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	<title>classic violin olympus - concerti.ch</title>
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	<description>Klassische Musik, Klassik-Konzerte, Oper &#38; Festivals</description>
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	<title>classic violin olympus - concerti.ch</title>
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		<title>„Das Wichtigste ist, dass Musik Emotionen ausdrückt“</title>
		<link>https://www.concerti.ch/interviews-ch/alexey-shor-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan-Hendrik Maier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 13:16:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[classic violin olympus]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Interview spricht der Komponist Alexey Shor über seine Liebe zur Violine, das Entstehen neuer Werke und seine ukrainische Herkunft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">Was bedeutet es für Sie, dass mehrere Ihrer Werke von jungen Künstlern bei einem so hochkarätigen internationalen Wettbewerb gespielt werden?</h3>



<p>Alexey Shor: Für mich ist es nicht so anders als bei einem regulären Konzert, weil ich nicht in der Jury bin. Natürlich ist es für die Teilnehmenden sehr aufregend – das Niveau des Wettbewerbs ist wirklich großartig. Alle Aufführungen waren bisher sehr unterschiedlich und einprägsam. Es ist beeindruckend.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was macht die Violine für Sie als Komponist besonders – und wie nähern Sie sich dem Komponieren für dieses Instrument?</h3>



<p>Shor: Ich liebe einfach, wie sie klingt. Einige meiner liebsten Werke habe ich für Violine geschrieben – sie hat eine enorme Ausdruckskraft. Wenn ich Musik im Kopf höre, ist sie oft automatisch für Violine gedacht. Ich glaube, es gibt da eine Art natürliche Schwerkraft in mir. Ich spiele leider selbst keine Violine – deshalb verbringe ich viel Zeit damit herauszufinden, was auf ihr überhaupt spielbar ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie nähern Sie sich dem konkret – wie stellen Sie sicher, dass das, was Sie schreiben, spielbar ist?</h3>



<p>Shor: Am Anfang habe ich einfach viele Partituren gelesen – das war eine Art Mustererkennung. Ich kann nicht mit absoluter Sicherheit sagen, was genau funktioniert, aber ich habe ein Gefühl dafür bekommen. Ich versuche, auf der sicheren Seite zu bleiben, es sei denn, etwas ist mir besonders wichtig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In welchem Abschnitt Ihres Lebens sind die hier gespielten Werke entstanden – spiegeln sie bestimmte persönliche oder künstlerische Phasen wider?</h3>



<p>Shor: Ich denke nicht in solchen Phasen wie „Ich bin traurig, also schreibe ich ein trauriges Stück“. Aber natürlich gibt es eine Verbindung zwischen der Musik, die in meinem Kopf auftaucht, und dem Ort, an dem ich mich im Leben befinde. Zum Beispiel fühlt sich mein viertes Violinkonzert optimistisch an – wie ein Entdecker, der einen gefährlichen Ozean überquert, aber voller Hoffnung ist. Das fünfte Konzert ist dunkler – fast wie ein innerer Kampf. Und das sechste Konzert hat eine besondere Geschichte: Es war ursprünglich für Bandonéon geschrieben. Dann sagten mehrere Geiger, es wäre schön, das für Violine zu haben. Also habe ich es bearbeitet. Es fühlt sich immer noch nicht wie ein typisches Violinkonzert an – es hat noch diesen lateinamerikanischen Einschlag.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gab es im Wettbewerb einen Auftritt, der Sie besonders berührt hat?</h3>



<p>Shor: Das Niveau ist insgesamt sehr hoch. Natürlich habe ich meine Favoriten, aber es ist noch zu früh, das zu bewerten – ich bin ja nicht in der Jury.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Inspiriert Sie der Wettbewerb dazu, noch mehr für Violine zu schreiben?</h3>



<p>Shor: Ja. Wenn ich eine gute Aufführung höre, ist das immer eine Inspiration. Kürzlich wurde mein siebtes Konzert uraufgeführt. Aber weil mich so viele Geiger und Cellisten ansprechen, denke ich darüber nach, ein Doppelkonzert für Violine und Cello zu schreiben. Das wäre mal etwas anderes – ich habe gerade zwei große Einzelkonzerte abgeschlossen. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt für etwas Unkonventionelleres.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Woran arbeiten Sie im Moment – und in welche Richtung entwickelt sich Ihre Musik?</h3>



<p>Shor: Ich bin fast fertig mit einer Cellosonate. Alles andere ist noch im Ideenstadium. Ich kann also nicht sagen, dass ich konkret an etwas arbeite – aber es brodelt im Hintergrund. Was die Richtung betrifft: Ich denke nicht bewusst darüber nach. Aber wenn ich mein erstes Violinkonzert mit meinem aktuellen vergleiche, sind sie völlig unterschiedlich. Irgendetwas verändert sich also in mir – aber es ist kein bewusster Wandel, eher ein natürlicher Prozess.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie hat Ihre Herkunft – aufgewachsen in der Ukraine, heute in den USA – Ihre Identität als Komponist geprägt?</h3>



<p>Shor: Ich denke, das läuft weitgehend unbewusst ab. Die Musik, die ich liebe, ist klassische Musik – und die meisten Komponisten, die ich bewundere, sind weder Russen noch Ukrainer. Aber manche sagen, sie hörten einen slawischen Akzent in meiner Musik – das kommt vielleicht aus meiner Kindheit, von der nicht-klassischen Musik, die mich damals umgeben hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vermissen Sie die Ukraine?</h3>



<p>Shor: Ich bin mit fünfzehn aus der Ukraine geflohen – nach der Tschernobyl-Katastrophe. Ich war seither nur selten dort. Ich habe also nicht diese nostalgische Sehnsucht wie manche, die durch Revolutionen entwurzelt wurden. Die Welt ist heute global – das ist etwas ganz anderes als früher. Ich habe den Kontakt nie verloren. Es ist nicht wie bei den weißen Emigranten nach der russischen Revolution, die jahrzehntelang keinen Kontakt mehr zu ihren Verwandten hatten. Ich habe mich in Amerika gut eingelebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sie haben ursprünglich Mathematik studiert – spielt das eine Rolle in Ihrer Musik?</h3>



<p>Shor: Mathematik war für mich sehr hilfreich. Sie hat mir geholfen, Musiktheorie schnell zu verstehen. Ich sage auch meinen Kindern: Lernt Naturwissenschaften – nicht weil ihr Wissenschaftler werden müsst, sondern weil es hilft, klar zu denken. Aber heute spielt Mathematik keine direkte Rolle in meiner Musik. Vielleicht ein bisschen auf ästhetischer Ebene – etwa bei symmetrischen Phrasenlängen. Aber das ist eher Intuition als Rechnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ihre Musik wirkt sehr emotional und melodisch – ganz anders, als man es vielleicht von jemandem mit mathematischem Hintergrund erwarten würde.</h3>



<p>Shor: Ja, für mich ist das Wichtigste, dass Musik Emotionen ausdrückt. Das Publikum soll schnell spüren, worum es geht. Zwölftonmusik hat mich nie angesprochen. Ich weiß gar nicht genau, was das ist – für mich ist das keine Musik. Ich komponiere sehr intuitiv. Später überprüfe ich dann, ob z. B. eine lyrische Passage zu lang ist. Aber der Impuls kommt immer aus dem Gefühl.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer ist Ihr Lieblingskomponist?</h3>



<p>Shor: <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/johann-sebastian-bach/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Bach</a>. Für mich ist er der Größte. Natürlich gibt es in seiner Musik auch mathematische Strukturen – Kanons, die man vorwärts und rückwärts spielen kann. Das ist alles beeindruckend. Aber selbst wenn es das alles nicht gäbe, wäre seine Musik immer noch überwältigend – wegen ihres emotionalen Gehalts.</p>
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		<title>„Technische Perfektion allein reicht nicht“</title>
		<link>https://www.concerti.ch/interviews-ch/pavel-vernikov-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan-Hendrik Maier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[classic violin olympus]]></category>
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					<description><![CDATA[Wieso der Classic Violin Olympus in der Klassikwelt hervorsticht und was einen Künstler heutzutage ausmacht, verrät der Gründer und Juryvorsitzende Pavel Vernikov im Interview.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">Wann kam Ihnen zum ersten Mal die Idee für den Classic Violin Olympus?</h3>



<p>Pavel Vernikov: Zum ersten Mal kam mir der Gedanke vor etwa drei Jahren, nachdem ich schon in vielen Jurys von Wettbewerben saß – große, aber auch kleinere Formate. Und ich stellte fest: Es gibt immer wieder dieselben Teilnehmer. Manche spielen alle zwei Monate bei einem Wettbewerb – und oft dasselbe Programm. Sie haben gar keine Zeit, sich als Musiker wirklich zu entwickeln, sich zu vertiefen. Und ich dachte: Das kann nicht alles sein. Da muss sich etwas ändern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was hat sich Ihrer Meinung nach grundsätzlich verändert?</h3>



<p>Vernikov: Früher gab es nicht so viele Wettbewerbe wie heute. Man kannte Oistrach, es gab große Persönlichkeiten wie Ginette Neveu. Heute wirkt es oft wie ein sportliches System: Jedes Land hat 30, 40 Wettbewerbe, die Programme sind meist identisch, die Jury besteht häufig aus Professoren mit eigenen Schülern. Natürlich ist nicht jeder Wettbewerb gleich, aber insgesamt hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was wollten Sie mit dem Classic Violin Olympus bewusst anders machen?</h3>



<p>Vernikov: Ich wollte etwas schaffen, das nicht revolutionär ist – Revolution ist ein Wort, das ich nicht besonders mag –, sondern etwas entwickeln. Eine Form, die Individualität ermöglicht. Auch für Menschen, die nicht mehr ganz jung sind. Denn mit 48 ist man als Geiger weder alt noch pensioniert – und trotzdem bekommt man oft keine Bühne mehr für seine persönliche Entwicklung. Ich wollte eine Evolution anstoßen, eine Plattform für echte musikalische Persönlichkeiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie unterscheidet sich dieser Wettbewerb konkret von anderen?</h3>



<p>Vernikov: Es ist schwer zu sagen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass wir besser sein wollen als andere. Das ist nicht meine Absicht. Aber viele Menschen, auch Kollegen, haben mich ermutigt: „Pavel, mach das weiter.“ Denn es geht nicht darum, andere Wettbewerbe abzuwerten – viele sind wichtig –, aber es gibt häufig Diskussionen darüber, wer gewinnt und warum. Ist es Politik? Sind es die Lehrer? Die Beziehungen? Und am Ende hört man oft dasselbe Programm. Es wirkt standardisiert, mechanisch – wie Fast Food. <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/niccolo-paganini/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Paganini</a>, <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/johann-sebastian-bach/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Bach</a>, <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/wolfgang-amadeus-mozart/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Mozart</a>, klassische Sonate, Konzert – immer wieder dasselbe. Wir wollten bewusst etwas anderes setzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Welche Rolle spielt Alexey Shor in diesem Projekt?</h3>



<p>Vernikov: Ich kannte ihn zunächst gar nicht, wusste nur, dass er Musik schreibt. Seine Werke sind nicht experimentell oder schwer zugänglich, sondern sehr direkt, fast naiv – aber im besten Sinn. Sie erinnern in ihrer Emotionalität manchmal an Filmmusik, was heute fast schon als Makel gilt. Dabei spielt doch niemand Musik für Theoretiker – sondern für ein Publikum, das berührt werden möchte. Natürlich gibt es großartige zeitgenössische Komponisten, auch solche mit komplexer Sprache – wenn die Musik aus echter Emotion kommt, kann sie tief wirken. Aber oft begegnet man Werken, die als genial gelten, ohne dass jemand sie wirklich gern hört. Shors Musik hingegen ist melodiös, romantisch, verständlich – und gerade dadurch eine Herausforderung für den Interpreten. Als ich sie zum ersten Mal hörte, dachte ich: Warum nicht? Sie ist interessant, weil sie einfach etwas erzählen will.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Denken Sie, dass sich durch Shors Musik besonders gut die Unterschiede zwischen den Interpreten zeigen?</h3>



<p>Vernikov: Absolut. Wenn man ein sehr schwieriges modernes Stück spielt, geht es oft nur um Technik. Aber bei Shor geht es um Emotion. Zwei Personen spielen dasselbe Konzert – bei einem wirkt es langweilig, bei der anderen fantastisch. Weil der eine eine Geschichte erzählt, Dramaturgie entwickelt, einen Bogen spannt. Das ist es, was zählt. Die Musik selbst ist ruhig, sie ist Liebe. Der Künstler muss in der Musik leben. Ein Kollege sagte mal: „Manche von Shors Melodien könnte man singen.“ Und das ist doch nichts Schlechtes. Mozart haben wir auch gesungen. Vielleicht ist es nicht das größte Verbrechen eines Komponisten, Melodien zu schreiben. Wir spielen für das Publikum. Ich glaube, der Komponist sollte auch für das Publikum schreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum müssen alle Teilnehmer das Beethoven-Tripelkonzert spielen?</h3>



<p>Vernikov: Das war auch Teil der Idee. Vor drei Jahren bin ich um fünf Uhr morgens aufgewacht und dachte: Warum ist das eigentlich nicht möglich? Das ist Kammermusik, aber mit Orchester. Und ich liebe Kammermusik. Das Tripelkonzert von <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/ludwig-van-beethoven/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Beethoven</a> ist großartig. Ein guter Kammermusiker kann kein schlechter Geiger sein. Natürlich ist es auch solistisch. Und dann kommen die großen Konzerte: <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/johannes-brahms/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Brahms</a>, <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/pjotr-iljitsch-tschaikowsky/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Tschaikowsky</a>, Paganini-Capricen – das ist wie ein Triathlon. Es braucht eine andere Art von Persönlichkeit. Viele spielen seit dem dritten Lebensjahr täglich acht Stunden – das ist beeindruckend. Aber technische Perfektion allein reicht nicht. Eine künstlerisch reife Persönlichkeit braucht mehr als nur Kontrolle. Kinder sollten nicht bloß gedrillt, sondern dazu befähigt werden, echte Künstler zu werden – mit Verständnis, Gefühl und Ausdruckskraft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Geht es Ihnen darum, einen vollständigen Künstler zu finden?</h3>



<p>Vernikov: Ja, das ist das Wichtigste. Es spielt keine Rolle, ob jemand 20 oder 48 Jahre alt ist. Ich mag das Wort „Karriere“ nicht. Karriere macht man vielleicht bei Siemens: Erst Vice President, dann President. Aber als Künstler? Wichtiger ist, dass sich jemand entwickeln kann. Vielleicht wird jemand Solist, vielleicht sagt jemand nach dem Wettbewerb: „Ich möchte lieber Konzertmeister werden.“ Erster Geiger in Berlin ist angenehmer als ein Leben als Solist. Das ist alles gut. Wir wollen Persönlichkeiten fördern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Denken Sie, dass Lebenserfahrung ein Vorteil ist?</h3>



<p>Vernikov: Für mich spielt das Alter keine Rolle. <a href="https://www.concerti.ch/kuenstler/sir-yehudi-menuhin/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Menuhin</a> spielte mit 13 großartig. Milstein spielte mit 80 phänomenal. Es geht nicht um jung oder alt, sondern um Tiefe. Mozart war mit zehn Jahren schon ein Genie. Manche junge Menschen spielen sehr tief. Mein Lehrer in Odessa sagte: „Wenn du spielst, sprich mit Gott.“ Heute haben viele Musiker dafür keine Zeit mehr. Sie sprechen mit Managern, auf YouTube, über Karriere – aber nicht mit Gott. Und das ist schade. Früher hatte man noch Zeit, mit großen Musikern zu arbeiten. Heute: London, morgen Kopenhagen, dann New York. Es geht, aber man verliert sich. Manchmal sind es zwei Konzerte am Tag. Ich kenne Dirigenten, die vier Konzerte geben – das ist nicht mehr ernsthaft. Ein bisschen Seele geht da verloren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Haben Sie mit einem so hohen Niveau beim Wettbewerb gerechnet?</h3>



<p>Vernikov: Ich habe alle sechs Vorrunden gesehen und war in jeder Jury. Ich habe gesehen, dass das Niveau sehr hoch ist – sogar höher, als ich anfangs dachte. Und viele Teilnehmer riskieren nichts – sie können nur gewinnen. Das verändert die Atmosphäre. Es ist keine reine Leistungsschau. Alle zwölf sind wichtig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie sehen Sie die Zukunft der klassischen Musik?</h3>



<p>Vernikov: Ich bin vorsichtig optimistisch. Früher gab es wenige große Musiker – aber ein großes Publikum. Heute haben wir viele Musiker – aber weniger Zuhörer. Unser Ziel muss sein, dass die Menschen wieder zuhören. Ich glaube daran.</p>
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