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Wiedereröffnung der Oper Köln am Offenbachplatz

Riphahns Haus erwacht

Nach 14 Jahren öffnet die Oper Köln am Offenbachplatz wieder ihre Türen. Als erste Premiere steht Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“ an.

vonMichael Kaminski,

Nicht auszudenken, hätten die Kölner Tatort-Kommissare Schenk und Ballauf ihre Mordermittlungen auf der Baustelle der Oper Köln und in deren Ausweichquartier im Staatenhaus für die Anfang des Jahres ausgestrahlte Krimi-Folge „Die Schöpfung“ weniger zügig abgeschlossen. Dann wäre der Wiedereröffnung des 1957 eingeweihten Hauses am Offenbachplatz womöglich erneut ein Stein in den Weg gelegt worden. Doch nach geschlagenen vierzehn Jahren – seit 2012 – stehen den ersten Premieren im stadtbildprägenden Opernhaus des Architekten Wilhelm Riphahn nun weder fiktionale noch non-fiktionale Hindernisse mehr entgegen. Am 27. September wird sich der Vorhang für den neuen Kölner „Rosenkavalier“ öffnen.

Der Charme des Interims

Mag sein, dass der eine oder die andere den Purismus der Ausweichspielstätte im Staatenhaus der dominanten Nachkriegsarchitektur Wilhelm Riphahns vorzieht. Was zunächst im eigentlich als Musicaltheater errichteten Interimsquartier am Kölner Hauptbahnhof und seit 2015 in den ursprünglich als Ausstellungshallen fungierenden Sälen des Staatenhauses geleistet wurde, konnte sich jedenfalls hören und sehen lassen. Weder während der Intendanz von Birgit Meyer, die ein Jahrzehnt währte, noch unter ihrem Nachfolger Hein Mulders, der 2022 das Amt übernahm, scheute man vor großen Vorhaben zurück. Man riskierte „Les Troyens“ mit François-Xavier Roth am Pult ebenso wie die ersten beiden Teile der „Ring“-Tetralogie unter dem Dirigat von Marc Albrecht.

Soll in Dirk-Bach-Platz umbenannt werden: der „kleine Offenbachplatz“
Soll in Dirk-Bach-Platz umbenannt werden: der „kleine Offenbachplatz“

Avancierte Architektur, epochale Uraufführungen

Unterdessen wuchs die Sanierung des in seiner Bausubstanz sowie Haus- und Bühnentechnik völlig maroden Meilensteins urbaner Nachkriegsarchitektur zu einem finanziellen und zeitlichen Kraftakt an: Aus den ursprünglich veranschlagten 253 Millionen Euro wurden rund anderthalb Milliarden. Eklatante Planungsfehler bei der Installation der Haustechnik erzwangen 2017 den kompletten Austausch von Elektronik, Brandschutz und Lüftung. Der Aufwand an Geld, Zeit und Nerven hat sich dennoch gelohnt.

Riphahns Bau steht bis heute einzig da: außen durch die den Bühnenturm in steiler Schräge flankierenden Pylone, im Auditorium durch die gondelgleich aus den Wänden herausfahrenden Balkone. Auch musikalisch schrieb das Haus von Beginn an Geschichte. Noch im Eröffnungsjahr wurde Fortners „Bluthochzeit“ uraufgeführt, 1965 folgten Zimmermanns „Die Soldaten“. Zwischen 1975 und 1995 prägte Michael Hampe das Haus mit seinem partiturnahen Regiestil. Weltstars wie Tito Gobbi, Plácido Domingo und Ileana Cotrubas gaben sich unter Hampes Ägide die Klinke in die Hand.

Kein Zweifel: Auf Intendant Mulders und Gürzenich-Kapellmeister Andrés Orozco-Estrada wartet ein inspirierender Genius Loci – und ein Haus, dessen musikalische Messlatte hoch liegt.

Das Gürzenich-Orchester und Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada bei der ersten Probe im sanierten Haus
Das Gürzenich-Orchester und Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada bei der ersten Probe im sanierten Haus

Spielzeit des klassischen Repertoires

Nun ist das Haus wieder offen für Repertoireschlager. Ab 28. November steht mit „Hoffmanns Erzählungen“ das Meisterwerk des großen Sohnes der Stadt auf dem Spielplan. Orozco-Estrada bildet mit Regisseur Stefan Herheim das Produktionsteam. Nach Smetanas „Die verkaufte Braut“ im Februar wird mit „Siegfried“ der während des Interims begonnenen „Ring“ fortgesetzt. Verdis „Macbeth“ wird in einer Höhle unheilvolle Erscheinungen erblicken und seinen Schicksalsspruch erwarten, und Puccinis „Madama Butterfly“ einen veritablen Bühnentod sterben. Zugstücke aus dem deutschen, französischen, italienischen und slawischen Repertoire werden in meist prominenten, aber keinesfalls durchweg umstürzlerischen Regiesprachen dem Publikum am Offenbachplatz den roten Teppich ausrollen. Zumal für jüngere Besucher dürfte das nun wiedereröffnete Haus eine Entdeckung sein: Sie erinnern den Riphahn-Bau allenfalls schemenhaft – oder haben ihn noch nie betreten. Für sie beginnt am Offenbachplatz nicht nur eine neue Spielzeit, sondern beinahe eine neue Operngeschichte.







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