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Opern-Tipps im September 2026: Shakespeare-Adaptionen

Ein Königreich für ein Libretto

William Shakespeare inspirierte ganze Generationen an Komponisten zu grandiosen Werken, was die Premieren im September eindrucksvoll unter Beweis stellen. Dabei gilt das Interesse weit mehr als nur „Romeo und Julia“ oder „Macbeth“…

vonPatrick Erb,

Der Mann, der nicht Musik hat in ihm selbst, den nicht die Eintracht süßer Töne rührt, taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücken.“ In seinem „Kaufmann von Venedig“ legt William Shakespeare diese von kosmischer Harmonie kündenden Worte Lorenzo im Gespräch mit seiner Geliebten Jessica in den Mund, obwohl ihre Flucht aus Venedig mit dem Diebstahl von Geld und Schmuck ihres Vaters einhergeht. Auch viele andere Figuren Shakespeares lässt die Maxime ihres Schöpfers herzlich kalt, denn bei Shakespeare wird über alle Maßen gelogen, verraten und gemordet. Auch wenn die Oper als Theaterform zu Lebzeiten des Genies noch in den Kinderschuhen steckte, inspiriert diese Spannung Komponisten bis heute zu Vertonungen. So beginnt gerade die Spielzeit 2026/27 mit aufsehenerregenden Klassikern und äußerst selten gespielten Shakespeare-Opern.

Shakespeare mit Slapstick

Mit Verdis erster Shakespeare-Vertonung „Macbeth“ startet Tobias Kratzer als Intendant der Staatsoper Hamburg in seine zweite Saison. Die Oper erzählt eine schaurige, in den nebligen Highlands angesiedelte Geschichte, die sich durchaus mit Witz und Slapstick im Stile Monty Pythons überzeichnen lässt. Das bewies Herbert Fritsch unlängst mit seiner erfrischend komischen, lebhaft choreografierten Basler Inszenierung (siehe Titelbild). Das Clowneske passt vortrefflich zu Kratzers diesjährigem Motto „Stellen Sie sich vor!“, mit dem sich das Haus zum „Türöffner für die Imagination“ machen möchte.

Weitaus seltener gelangt Frank Martins „Der Sturm“ auf die Bühne. Zur Wiener Uraufführung 1956 sollte Dietrich Fischer-Dieskau die Hauptrolle singen, weshalb der überwiegende Teil der Arien Prospero zufällt. Schließlich übernahm Eberhard Wächter die Partie. In Genf feiert das Werk als „La Tempête“ in französischer Sprache Premiere.

Wahnsinn und Wahrheit

In Aribert Reimanns „Lear“ wiederum sang Fischer-Dieskau bei der Münchner Uraufführung 1978 die Titelrolle – und hatte den berühmten Avantgardekomponisten überhaupt erst zu diesem wahnwitzigen Werk angeregt. Der junge Verdi war an dem Stoff einst gescheitert. Womöglich ahnte der Italiener, dass die bittersüße Tragödie von König Lear, der über den Verrat seiner Töchter den Verstand verliert, musikalischer Mittel bedurfte, die seine Zeit noch nicht bereithielt. Im Hangar des Berliner Flughafens Tempelhof nimmt sich Barrie Kosky des Spektakels an, wo die Komische Oper seit einigen Jahren Produktionen mit Show-Charakter zeigt. Eine schöne Idee verfolgt schließlich das Staatstheater Cottbus, das sich „Romeo und Julia“ multiperspektivisch nähert. Konzert, Tanz, Oper und Schauspiel greifen auf das Original sowie Werke von Prokofjew, Berlioz und Gounod zurück. So entsteht ein Amalgam, das beispielhaft vor Augen führt, was den englischen Dichter ausmacht: ein schier unerschöpflicher Quell an Witz, Weisheit und theatraler Energie.





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