„Auf in den Kampf, Torero! Siegesbewusst, stolz in der Brust“: Was wie ein martialischer Aufruf zur Gewalt klingt, ist nichts anderes als Escamillos nachgerade selbstgefälliges und eitles Imponiergehabe. Zugleich zählt das Auftrittslied des gefeierten Toreros zu den vielen Gassenhauern aus Bizets berühmter „Carmen“, die unmittelbar zum Mitsummen verführen. Bei den Salzburger Festspielen kam die Oper als musikalisch elektrisierendes, von Tanzeinlagen durchzogenes Performance-Kunstwerk auf die Bühne. Arte zeigt eine Aufzeichnung dieses außergewöhnlichen Ereignisses.
Szenen wie der Zigeunertanz in Lillas Pastias Schenke oder der Zeitvertreib der Militärwachen zu Beginn des Werks geraten dabei mitunter zu ekstatischen Grenzerfahrungen. Bewegung füllt jene inhaltlichen Leerstellen, die Gabriela Carrizo, Regisseurin und Leiterin des Tanzensembles Peeping Tom, durch die Streichung sämtlicher Dialoge in das Stück reißt. Ein durchaus kontroverses Ergebnis, auf das man sich einlassen muss. Roland Dippel hat für concerti bei der Premiere der Produktion anwesend.
Auch Teodor Currentzis, der die Produktion mit seinem Utopia Choir & Orchestra musikalisch verantwortet, setzt auf eine eigenwillige, maßlose und zugleich ungemein spielfreudige Interpretation. Die Musik gewinnt dadurch Schwung und Leidenschaft und steht beständig unter Hochspannung. Das Besondere an dieser alternativen „Carmen“ ist schließlich auch, dass Starsopranistin Asmik Grigorian in die ausdrucksstarken, klanglich substanzreichen Gefilde des Mezzosoprans vordringt – was ihr souverän gelingt. Uneingeschränkt begeistert indes Jonathan Tetelman, der das französische Fach so überzeugend wie nur selten meistert und auch darstellerisch große Wandlungsfähigkeit beweist.
TV-Tipp
Salzburger Festspiele
Bizet: Carmen
Sa. 8.8.2026, 21:45 Uhr
arte




