Auf der Jagd erlegt der Kaiser eine weiße Gazelle, die sich vor seinen Augen in eine Frau verwandelt. Er begehrt sie und nimmt sie zur Frau. Doch weil die Kaiserin aus dem Geisterreich stammt, wirft sie keinen Schatten, was gleichbedeutend damit ist, weder menschlich noch fruchtbar zu sein. Wenn sie nicht binnen kurzer Frist einen Schatten gewinnt, wird ihr Gemahl zu Stein. Mit ihrer Amme steigt sie in die Welt der Menschen hinab, wo ein Färber und seine Frau in Armut, Überdruss und unerfüllten Träumen gefangen sind. Der Färberin soll ihr Schatten abgekauft werden, doch je näher die Rettung für die Kaiserin scheint, desto deutlicher treten Schuld, Verzicht und die Frage hervor, was Menschsein eigentlich bedeutet.
In der diesjährigen Ausgabe des Festival d’Aix-en-Provence steht mit Richard Strauss’ und Hugo von Hofmannsthals symbolistisch stark angereicherter Oper ein musikalisch wie thematisch bedeutendes Meisterwerk auf dem Programm. Während der Pomp der Partitur von kammermusikalischer Raffinesse bis zur mit fünf Gongs angereicherten Überwältigungsmusik reicht, zeichnet Strauss durch ständig wiederkehrende Laute beinahe cineastische Eindrücke, etwa das Warngeschrei eines fortwährend im Raum kreisenden Falken; in wenigen seiner Opern sind die Figuren musikalisch-psychologisch so differenziert ausgemalt wie in „Die Frau ohne Schatten“.
Debüt mit einem Höhepunkt der Musikgeschichte
Aufsehenerregend ist in Aix-en-Provence zudem die Besetzung. Nicht nur feiert Klaus Mäkelä am Pult des Orchestre de Paris sein Debüt in der südfranzösischen Stadt, er kehrt nach langer Opernabstinenz auch zu diesem Fach zurück. Mit Barrie Kosky zeichnet ein tiefsinniger Regisseur für die Inszenierung verantwortlich, der auch hinter die Fassade des szenischen Prunks zu blicken versteht. Schließlich kann sich die Starbesetzung in den fünf Hauptrollen sehen lassen: Zu erleben sind Michael Spyres als Kaiser, Vida Miknevičiūtė als Kaiserin, Nina Stemme als Amme, Brian Mulligan als Barak und Ambur Braid als Färberin.
Hier geht es zur Rezension unseres Autors Peter Krause, der die Premiere miterlebt hat.
concerti-Tipp:
Festival d’Aix-en-Provence 2026
R. Strauss: Die Frau ohne Schatten
Mit Michael Spyres (Der Kaiser), Vida Miknevičiūtė (Die Kaiserin), Nina Stemme (Amme), Brian Mulligan (Barak, der Färber), Ambur Braid (Die Färberin), Orchestre de Paris, Klaus Mäkelä (Leitung), Barrie Kosky (Regie).
Do. 9.7., ab 19:00 Uhr
Arte





