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	<title>Reportage - concerti.ch</title>
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	<description>Klassische Musik, Klassik-Konzerte, Oper &#38; Festivals</description>
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	<title>Reportage - concerti.ch</title>
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		<title>Instrumente, die unsichtbar werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Moreno]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2026 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reportage]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus Alt mach Neu – seit mehr als zehn Jahren lässt die Klangmanufaktur in Hamburg die Seelen gebrauchter Steinway-Flügel aufblühen.]]></description>
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<p>Eine Hochburg pianistischer Klangkultur ist nicht unbedingt das, was man am Rande eines Hamburger Industriegebiets erwartet. Im zweiten Obergeschoss eines ehemaligen Lagerhauses am Mittelkanal in Hammerbrook befindet sich die Klangmanufaktur. Hier werden Konzertflügel der Marke Steinway &amp; Sons generalüberholt. Und das auf einem Qualitätsniveau, dem nicht nur Pianisten, Orchester, Veranstalter und Aufnahmestudios, sondern auch Branchenkollegen weltweit Anerkennung zollen. Eine der vielen Besonderheiten des Betriebs besteht darin, dass man seine im Instrumentenbau erworbenen Kompetenzen in Klangseminaren mit Klavierbauern, Konzerttechnikern und neuerdings auch Musikern teilt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In Klangseminaren gibt man sein Wissen gerne weiter</h3>



<p>„Normalerweise schützt man sein Wissen“, sagt Geschäftsführer Oliver Greinus. „Für uns ist das aber alles Open Source, wie man in der IT-Branche sagen würde. Wir legen unseren Quellcode offen, und die Leute docken mit ihren Interessen und Fähigkeiten daran an.“ Die Nachfrage nach den Seminaren zu den Themen Mechanik, Akustik, Intonation und Stimmung ist so groß, dass man sich in diesem Jahr entschlossen hat, erstmals eine ganze Woche mit Workshops, Führungen und Diskussionen anzubieten. „Man hat uns mit Anmeldungen geradezu überrannt. Rund 30 teilnehmende Techniker und 10 Pianisten sind für mindestens drei, die meisten für sechs oder sieben Tage angereist“, freut sich Greinus und präsentiert stolz die Namenslisten im Flur. Die Herkunftsländer reichen von Spanien und Italien über die Niederlande, Polen und Lettland bis nach Australien. Während der Kaffeeautomat die Milch für den Cappuccino aufschäumt, betont der Klavierbauer und Diplom-Holzwirt die lockere Atmosphäre, in der man hier auf Augenhöhe voneinander lernt: „Die Leute sind sehr eigenständig, suchen sich ihre Themenschwerpunkte heraus und schauen, wo sie mitmachen möchten. Es gibt eine sehr individuelle Dynamik.“</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized">        <div class="concerti-img-copyright">&copy; Sören Ingwersen</div>
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<h3 class="wp-block-heading">Der individuelle Charakter des Flügels steht im Vordergrund</h3>



<p>Die spürt man sofort, wenn man sich vom Aufenthaltsraum, in dem ein riesiger, aus Klavierteilen zusammengebastelter Fisch als Wandschmuck dient, an diskutierenden Gruppen vorbei bis zur Werkstatt vorarbeitet, wo eine Traube von Teilnehmern am offenen Korpus eines Instruments in die Feinheiten der Intonation eingeweiht wird. Feinheiten, die in der Klangmanufaktur niemals nur der Norm entsprechen, sondern auf den jeweiligen Flügel zugeschnitten sind. Der hohe Standard und das Wertversprechen des Produzenten Steinway bilden sozusagen den edlen Sockel, auf dem die Manufaktur ihre sehr individuellen „Klangskulpturen“ errichtet. „Die Instrumente, die wir restaurieren, sind bis zu 120 Jahre alt“, erzählt Greinus, und hätten in vielen Jahrzehnten ihren ganz eigenen Charakter ausgebildet. Dieser gebe zugleich Auskunft über die Zielrichtung einer möglichen Optimierung, an deren Ende ein neuwertiger Konzertflügel mit einer überzeugenden Persönlichkeit stehe.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Unermüdliche Arbeit an der Verbesserung des Klangs</h3>



<p>Wie man das Maximum aus einem Steinway herausholt – wer sollte das besser wissen als Oliver Greinus, der Konstruktionsleiter bei Steinway &amp; Sons war, bevor er 2015 mit seinen Kollegen Pierre Hellermann, Jan Kittel und Kay Bürger die Klangmanufaktur gegründet hat? Heute zählt die Firma rund 20 Angestellte, die – jeder auf seinem Spezialgebiet – unermüdlich an der Verbesserung des Klangs arbeiten. Die Maßnahmen reichen von der Restaurierung des originalen Resonanzbodens über eine Neubesaitung und den Einbau eines neuen Spielwerks bis hin zur Beschichtung mit einer geölten, matten Oberfläche, die gegenüber dem üblichen Polyesterlack die Schallenergie viel weniger dämpft und absorbiert.</p>



<p>Was aber macht einen guten Klang eigentlich aus? Diese Frage erörtert Greinus in einem Vortrag. Er spricht von energetischer Dichte, die in den meisten Konzerten leider vom ersten Ton an abnähme. Er spricht von störenden, undefinierbaren Geräuschen im Alltag, die uns überfordern und auf die wir instinktiv mit Angst reagieren, während das Fräsen und Hämmern aus der angrenzenden Werkstatt ihren Teil zum Thema beitragen. „Unser erstes Bestreben ist nicht, Beethoven zu hören, sondern zu überleben“, spitzt Greinus seine These zu und gelangt zu dem Schluss: „Wir wollen Instrumente bauen, die verschwinden, unsichtbar werden, indem sie mit ihrem klar definierten, natürlichen Klang, ihrer offenen Farbpalette und ihrer großen dynamischen Bandbreite dem Unterbewusstsein signalisieren: keine Gefahr!“ Erst dann sei die Tür zum Musizieren weit geöffnet, werde das Instrument zur „Trägerwelle“, die die Intention der Musik optimal übermitteln könne.</p>



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<p>Spätestens jetzt begreift man: Hinter dem ausgefuchsten Handwerk der Klangmanufaktur steckt eine Philosophie – getragen von der Überzeugung, dass die Instrumente die Seelen ihrer Restaurateure widerspiegeln, wie Greinus sagt. Ein durch Authentizität geprägtes Betriebsklima ist also gewissermaßen in die DNA der Firma eingeschrieben, in deren Werkstatt fast ebenso viele Frauen wie Männer arbeiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Übungsräume und Angebote für Investoren eröffnen Künstlern Entwicklungsmöglichkeiten&nbsp;</h3>



<p>Auf unserem Rundgang passieren wir einen gemütlich eingerichteten Pausenraum, in dem zwei junge Männer Schach spielen. Vermutlich Pianisten, die zum Üben oder Unterrichten die Flügelstudios nutzen, die man rund um die Uhr stundenweise anmieten kann – nachts zum günstigen Mondscheintarif. Auch ein anderes pfiffiges Konzept hat man sich überlegt, um Künstlern durch das Spiel auf erstklassigen Instrumenten angemessene Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen: Investoren können einen generalüberholten Steinway-Flügel kaufen, der durch die Klangmanufaktur vermietet wird, wobei die Mieteinnahmen zu hundert Prozent dem Wertanleger gutgeschrieben werden. Nach zehnjähriger Laufzeit gibt es eine Rückkaufgarantie über mindestens 85 Prozent des Kaufpreises. Kulturförderungsmaßnahmen treffen auf Unternehmergeist – und viele Informationen auf einen knurrenden Magen.</p>



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<p>Im Aufenthaltsraum mit dem Fisch und der Glaswand, hinter der jeden ersten Donnerstag im Monat die Werkstattkonzertreihe „Kohärenzen“ stattfindet, wartet schon die vegetarische Lasagne. Am Tisch sitzt auch Alice. Sie ist aus Südwestfrankreich angereist, weil sie in ihrer Heimatwerkstatt die Mechanik eines Steinway-D-Flügels – der größte seiner Zunft – aufarbeiten und sich bei den Klangseminaren einige Anregungen holen möchte. Derer wird sie wohl mehr als genug mit nach Hause nehmen. So strahlt der Geist der Klangmanufaktur, die wie vielleicht keine andere Klavierwerkstatt die akustischen Vorzüge gereifter Instrumente zu erschließen vermag, über ganz Europa. Greinus selbst formuliert es etwas bescheidener: „Man darf sich am Ende nicht zu wichtig nehmen. Wir sind Dienstleister.“ Nun denn.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wo Gladiatoren kämpften</title>
		<link>https://www.concerti.ch/reportage-ch/opernfestspiele-arena-di-verona/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Luisa Moreno]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Dec 2025 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.concerti.de/?p=826437</guid>

					<description><![CDATA[In der Arena di Verona verschmelzen antike Baukunst und romantische Oper zu einem unvergleichlichen Erlebnis.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Wer sich von Illusionen trennt, wird zwar weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben, sagte einst Mark Twain. Verona ist der perfekte Ort für Illusionen. Stadt von Romeo und Julia, deren Geschichte zum Symbol für die ewige Liebe wurde. Der Legende nach soll Julia Capulet in Shakespeares Drama von 1596 mit ihrer Familie in der Casa di Giulietta in der Via Cappello Nr. 23 gelebt haben. Tatsächlich war das Gemäuer aus dem 13.&nbsp;Jahrhundert ursprünglich ein Stall. Auch der berühmte Balkon ist eine Finte.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Julias Balkon und Grab sind eine Finte</h3>



<p>1935 hatte der findige Antonio Avena, seinerzeit Direktor der Museen in Verona, einen halben Sarkophag (!) aus dem 14. Jahrhundert an das Gebäude kleben lassen, als Kulisse sozusagen, auf dem Julia sich von Romeo anschmachten lassen kann. Dabei steht sie in Shakespeares Drama von 1596 an einem Fenster. Balkone waren in Verona zu der Zeit nicht üblich. Für Julias vermeintliches Grab wandelte Avena einen banalen Keller kurzerhand in eine Krypta um. Seitdem überfluten Millionen Touristen die nur 258 000 Einwohner zählende Stadt, posieren für Instagram vor dem Balkon und vor der bronzenen Julia-Statue im Hof. Die rechte Brust ist schon ganz abgegriffen. Das soll Glück in der Liebe bringen. Bei 25 Euro Eintritt.&nbsp;</p>



<p>Die schönsten (gesungenen) Märchen aber finden seit 1913 nicht weit von hier in Veronas spektakulärer Arena statt.&nbsp;Heute steht <a href="https://www.concerti.ch/komponisten/giacomo-puccini/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Giacomo Puccinis</a> Märchenoper „Turandot“ von 1924 in Franco Zefirellis Inszenierung von 2010 auf dem Programm. Es ist 18 Uhr. Obwohl die Oper erst nach 21 Uhr beginnt, drängeln sich jetzt schon Tausende mit Billig-Tickets (etwa 20 Euro, ohne festen Sitzplatz) vor den vielen Eingängen (insgesamt 64 sollen es sein) des Amphitheaters. Kondition und Schnelligkeit sind hier angesagt, um auf der »Gradinata non numerata« am oberen Ende der Arena den besten Platz zu ergattern. 45 Stufenränge gilt es zu überwinden, die jeweil aus 45 Zentimeter hohen Gesteinsblöcken bestehen. Vomitorien wurden übrigens die Zugänge früher genannt, durch die sich jetzt die vielen Menschen zwängen. Der unappetitliche Name, der sich vom lateinischen Verb „vomere“ (erbrechen, ausspeien) ableitet, rührt daher, weil von innen, also der Arena, heraus der Eindruck entstand, dass die Zuschauermassen wie „ausgespuckt“ in das Amphitheater strömten.&nbsp;</p>



<p>Den Appetit aber lassen sich die „Unnummerierten“ nicht verderben. Mit Kühlboxen wird das Revier gesichert. Partystimmung ist hier in etwa 24 Meter Höhe angesagt, wie der Kollege, der seit Kindesbeinen die Opernfestspiele in Verona kennt, erzählt. Da nimmt man gerne in Kauf, dass man, wie einst die alten Römer, auf blankem Stein ohne Lehne mitunter Stunden in der Hitze bei viel Vino und Aqua minerale ausharren muss bis zum Beginn der Vorstellung. Poltrona, Poltronissima in Silber, Gold und Platin nennen sich die Preis-Kategorien. Mindestens 13 gibt es in der gewaltigen Arena, die um die 15 000 Zuschauer fasst. Besonders begehrt ist Reihe 1 im Parkett (weit über 300 Euro) – mit der 1 500 Quadratmeter großen Bühne auf Augenhöhe und dem nur einen Meter tiefer liegenden Orchestergraben. Hier hat man das Gefühl, buchstäblich ein Teil der Oper zu sein. Gute Sicht soll man auch von der 16. Reihe haben. Einer muss nie zahlen: Giancarlo Soave. „Il capo claque“ wird der fast Neunzigjährige respektvoll von Medien genannt. Davon später. Wir haben nummerierte Tribünen-Plätze (mit Sitzkissen und Lehne!) und können uns etwas Zeit lassen – beim Prosecco in einem der vielen Cafés der Piazza Bra. </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large">        <div class="concerti-img-copyright">&copy; Jerry/Pixabay.com</div>
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<h3 class="wp-block-heading">Kurzen Hosen, Unterhemden und Flip-Flops unerwünscht</h3>



<p>Es ist es kurz vor 21 Uhr. Die blaue Stunde ist angebrochen. Der dritte Gong hat geschlagen. Allmählich findet sich die „Hautevolee“ im „Parkett“ ein, genau dort, wo vor 2 000 Jahren viel Blut bei Gladiatoren-Kämpfen, Tierjagden und Hinrichtungen vergossen wurde. Wie einst bei den Gladiatoren liebt auch die heutige gestylte Gesellschaft den Auftritt in der Manege. Große Abendrobe, mitunter Smoking schon fast ein Muss. Männern in kurzen Hosen, Unterhemden und Flip-Flops wird der Zutritt verweigert. Ob die Absätze der teuren Designer-Sandaletten den unebenen Steinboden überstehen? Wen kümmert es. Es zählt der Moment. Großartig!</p>



<p>Das wahre Märchen kann nun beginnen. Nach und nach sind fast alle Scheinwerfer erloschen. Nur noch „l’ala“, der vierbogige Flügel, den das Erdbeben von 1117 von den ursprünglich 72 Bögen des Außenrings verschonte, ist zu erkennen. Tausende von Lichtpünktchen flackern nun in der Dunkelheit auf, vom Parkett bis in die höchsten Ränge. Ein Ritual aus alten Zeiten, als es noch keinen Strom gab. Wer sein Libretto lesen wollte, brachte eine Kerze mit.&nbsp;</p>



<p>Mögen (deutsches) Regietheater-affine Kritiker pompöse Inszenierungen wie die von Zeffirelli nur naserümpfend mit einem Zweizeiler abspeisen, weil zu wenig Tristesse und Gesellschaftskritik. Eines müssen sie ihm zugestehen: Er verstand etwas von Magie. Prächtige, bunte Kostüme von Oscarpreisträgerin Emi Wada, ein goldener Palast im zweiten Akt, zahlreiche Statisterien, spektakuläre Choreografien lassen die Atmosphäre des alten Peking wieder aufleben. „Keiner schlafe“ („Nessun dorma“), schmettert Prinz Calaf (<a href="https://www.concerti.ch/kuenstler/yusif-eyvazov/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Yusif Eyvazov</a>). Mehr noch als all die Farb-, Licht- und Klangpracht ist es das Leise, die zart-gläsernen Pianissimi von Mariangela Sicilia als Liù, das überwältigt. Unter freiem Himmel, ohne Mikrofon oder Verstärker! Keiner würde es jetzt wagen zu husten oder eine Cola zu öffnen. Das kleinste Geräusch wird registriert, dank der Römer, die wirklich etwas von Akustik verstanden. <a href="https://www.concerti.ch/kuenstler/anna-netrebko/" data-wpel-link="internal" target="_self" rel="noopener noreferrer">Anna Netrebko</a>, als Turandot angekündigt, wurde durch die fabelhafte Ekaterina Semenchuk ersetzt, was in einigen Pressemeldungen unterging. Der Chor mit atemberaubenden dynamischen Wirkungen ist eine einzigartige Sensation. Alles lupenrein, präzise, meisterhaft vom Dirigenten Michele Spotti zusammengehalten, trotz der Entfernungen. Zwischen ihm und den Sängern liegen mitunter 30 Meter.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large">        <div class="concerti-img-copyright">&copy; Ennevifoto/Fondazione Arena di Verona</div>
        <img loading="lazy" decoding="async" width="1408" height="938" src="https://www.concerti.de/wp-content/uploads/2025/12/verona-arena-innen-2017-c-1408x938.jpg" alt="Zwischen 15. 000 und 20. 000  Opernzuschauer finden hier Platz: Arena di Verona" class="wp-image-826481" srcset="https://www.concerti.ch/wp-content/uploads/2025/12/verona-arena-innen-2017-c-1408x938.jpg 1408w, https://www.concerti.ch/wp-content/uploads/2025/12/verona-arena-innen-2017-c-594x396.jpg 594w, https://www.concerti.ch/wp-content/uploads/2025/12/verona-arena-innen-2017-c-768x512.jpg 768w, https://www.concerti.ch/wp-content/uploads/2025/12/verona-arena-innen-2017-c-1536x1024.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1408px) 100vw, 1408px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zwischen 15. 000 und 20. 000&nbsp; Opernzuschauer finden hier Platz: Arena di Verona</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Rekordverdächtige 1,22 Millionen Euro spielt die Oper „Turandot“ an einem Abend ein</h3>



<p>Wie ein vom Wind angefachtes Buschfeuer frisst sich nun der Applaus vom Parkett aus durch die Reihen bis in die oberste Kante des Amphitheaters. Ob Signore Soave, Veronas Chef-Claqueur, mitgeklatscht hat? Startenor Mario del Monaco habe ihn damals gebeten, „für ihn den Applaus zu machen“, erzählte er 2013 im Interview. Der ausgebildete Krankenpfleger verstehe sich als Helfer: „Die Menschen sind unsicher. Niemand will sich mit einem Klatschen zum falschen Zeitpunkt blamieren.“ Und: „Gegen 14 999 Besucher, denen eine Inszenierung nicht passt, kann ich beim besten Willen nicht anklatschen.“ Der Blick auf die Einnahmen ist keine Illusion. Rekordverdächtige 1,22 Millionen Euro spielte „Turandot“ an diesem Abend ein. Man freut sich auf 2026, wo Puccinis Oper die Festspiele einleiten wird. Verboten, vor Reiseantritt ins Internet zu gucken. Dort wird Regen immer vorhergesagt. Doch nur selten fällt in Verona eine Aufführung ganz ins Wasser.</p>



<h3 class="wp-block-heading">concerti-Tipp:</h3>



<p><strong>Opernfestspiele Arena di Verona</strong><br>12.6.-12.9.2026<br>Verona (IT)</p>



<p></p>
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