Die Musik Johann Sebastian Bachs fasziniert und inspiriert Künstler und Zuhörer bis heute. Die Appenzeller Bachtage fragen sich in ihrer sechsten Ausgabe, weshalb diese nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt hat und wie Bachs musikalisches Erbe in Gegenwart und Zukunft weiterlebt. Mehr als ein Dutzend Konzerte, Gesprächsrunden und Akademien laden dazu ein, das Werk des Barockmeisters aus unterschiedlichen Perspektiven neu zu entdecken.
Kontrastreiche Kantatenkunst
Der zweigeteilte Eröffnungsabend nimmt mit der Polyfonie einen Grundpfeiler der Bach’schen Tonkunst ins Visier. Im Zeughaus Teufen kontrastieren das Vokalquartett Quartonal und das Phantasm Viol Consort Werke des Thomaskantors mit Bearbeitungen einzelner Präludien und Fugen sowie Volksliedern aus aller Welt. In der Stiftskirche St. Gallen setzt Festivalorganist Christoph Schönfelder anschließend mächtige Klangakzente mit Musik von Bach, Mendelssohn, Schumann und Reger. Festivalleiter Rudolf Lutz sorgt am Alphorn für eine regionale Note.
Auch das Kantatenwerk hat Eingang ins Festivalprogramm gefunden. In „Jauchzet Gott in allen Landen“ werden durch die Dialoge zwischen Sopran und Solotrompete Einflüsse von Bachs Kollegen am kursächsischen Hof zu Dresden offenbar, während „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ ein eindrucksvolles Beispiel für Bachs Fähigkeit ist, Wort und Musik zu einer berührenden Einheit zu verschmelzen. Beide Konzerte gestalten Musiker der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen, die künstlerische Leitung haben Johanna Soller beziehungsweise Rudolf Lutz inne. Als Solisten konnten unter anderem Sängerin Marie-Sophie Pollak und Trompeter Patrick Henrichs gewonnen werden.
Welche besondere Stimmung wiederum von der Nacht ausgeht, zeigen die Alte-Musik-Experten des Phantasm Viol Consort mit Streicherfantasien von Purcell und eigenen Bearbeitungen aus dem „Wohltemperierten Klavier“ für fünf Violen da Gamba.
Chorfestival und Akademien
Bach in die Zukunft tragen, das bedeutet auch, die junge Generation für jene Musik zu begeistern. So kommen beim Festival vier Kinder- und Jugendchöre aus unterschiedlichen Teilen der Schweiz zum freundschaftlichen Wettstreit zusammen, Rudolf Lutz steuert für das abschließende Konzert eine neue Motette bei.
Die Appenzeller Bachtage setzen sich in diversen Akademien auch intellektuell mit der Kunst ihres Namensgebers auseinander. Johanna Soller, Rudolf Lutz und Kolja Lessing beleuchten Fragen der Interpretation und Wirkungsgeschichte, während Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz und Philosophin Barbara Bleisch über die Relevanz von KI im kreativen musikalischen Kontext diskutieren.





